"Vertiefte Erkenntnisse statt großer Erfolge"

Alexanderplatz - wie geht's weiter?

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Zum ihrem 20. Jahrestag gönnte sich die DDR im Jahr 1969 die Neugestaltung des Berliner Alexanderplatzes. Der Öffentlichkeit wurden der Berliner Fernsehturm, der Brunnen der Völkerfreundschaft sowie die Weltzeituhr übergeben. Die umfangreiche Neugestaltung des Alexanderplatzes im Sinne der sozialistischen Moderne war gelungen.

Auch im Kapitalismus ist die die Weltzeituhr ein beliebter Treffpunkt geblieben. So auch für den VBKI, der dort auf Carsten Kollmeier traf. Ihm hatte Erich John, Designer der Uhr, im letzten Jahr das Werbe- und Vermarktungsrecht übertragen. Nach einem Blick zurück in die sozialistische Geschichte des Alexanderplatzes schaute man in die nicht immer gelungene Gegenwart des Platzes und wagte zudem einen Blick in die Zukunft.
 

Der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel, kennt die Probleme des Platzes, glaubt aber fest an seine Zukunft. Schließlich ist er ein Touristenmagnet, einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte und einer der belebtesten Plätze Europas. Trotz seines negativen Images. Oft nur bedürfe es kleiner Dinge, um die Wohlfühlqualität zu steigern.

An die Zukunft des Alexanderplatzes glauben auch Norman Weichhardt und Timo Herzberg. Der erste vertritt das französische Unternehmen Covivo, der zweite den deutschen Zweig von Signa. Beide möchte Teile dessen realisieren, was 1993 die Architekten Hans Kollhoff und Helga Timmermann als Masterplan vorgelegt hatten: Ein Stadtzentrum nach amerikanischem Vorbild mit einer „Stadtkrone“ von Wolkenkratzern, die Berlin eine neue alte Mitte geben sollte. Weichhardt möchte die Lücke schließen, die sich zwischen Parkinn-Hotel und Saturn aufmacht. Herzberg auf dem eigenen Gelände der Galeria Kaufhof einen Turm errichten. Dass der Weg seit 1993 ein langer, nicht unproblematischer, manchmal frustrierender und oft überraschender ist, fasste einer der Diskutanten in die schöne Formel: „Wir hatten in den letzten Jahren oft keine großen Erfolge, aber immer vertiefte Erkenntnisse.“

Städteplanerisch sei die Neugestaltung sinnvoll, um den bisher strukturlosen Alexanderplatz zu fassen, so die Meinung der gesamten Runde. Und dass Carsten Sellschopf, der inspirierend und sympathisch moderierte, auf seine abschließende Frage, wie die Diskutanten denn die Zukunft des Alexanderplatzes sehen, nur positive Antworten erhielt, überraschte keinen. Aber alle machten Lust auf das, was im nächsten Jahrzehnt in der Nachbarschaft von Fernsehturm, ParkInn-Hotel und Weltzeituhr entstehen wird. Wir können uns darauf freuen!