Lernerfolge in den Mittelpunkt stellen

Fokus Schülerleistungen - neues VBKI-Projekt für mehr Schulqualität in Berlin

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Foto: VBKI

Berlin liegt in fast allen Vergleichsstudien zu Schülerleistungen auf dem untersten Rangplatz, nur noch gefolgt von Bremen. Mit einem neuen Pilotprojekt will der VBKI gemeinsam mit der Senatsbildungsverwaltung dazu beitragen, die Schulqualität in Berlin zu steigern. Im Fokus: Die Schülerleistungen.

Auch wenn im Bildungstrend 2016 die Leistungen der Berliner Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu den anderen Bundesländern nicht weiter nachgelassen haben, muss sich die Qualität der Berliner Schulen deutlich verbessern. Dabei sollen die Lernprozesse und Lernerfolge der Schülerinnen und Schüler im Mittelpunkt stehen.
 
Das Projekt Fokus Schülerleistungen knüpft an verschiedene Maßnahmen und Instrumente der Senatsbildungsverwaltung zur Steigerung der Schulqualität an. Diese reichen vom Handlungsrahmen Schulqualität über Schulinspektion und Selbstevaluationsportal bis zum Indikatorenmodell, den Schulverträgen und den Empfehlungen der „Köller-Kommission“, die mit Hilfe eines Qualitäts-Beirats umgesetzt werden sollen. Auch hier wird ein klarer Fokus auf die Steigerung von Schülerleistungen gelegt.
 
Das Projekt geht von der Annahme aus, dass die Übernahme der Verantwortung für die Schülerleistungen durch Schulen wie Lehrkräfte auch zu deren Ergebnissen beitragen. Wirksame Faktoren sind z.B. die Erwartung an die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler und das Zutrauen in deren Kompetenzen. Die Schulen erhalten eine Vielzahl von Informationen über den Leistungsstand ihrer Schülerinnen und Schüler. Wird mit diesen Informationen zielgerichtet gearbeitet? Werden sie für die Arbeit an der Steigerung der Schülerleistungen genutzt? Welche Haltungen und Verfahren fördern, welche behindern die gezielte Arbeit an diesem Ziel unter Nutzung der vorliegenden Rückmeldungen über Schülerleistungen?
 
  • Im Projekt „Fokus Schülerleistungen“ wird versucht, Haltungen und Verfahren zu entwickeln und zu beeinflussen, die Schulen (konkret Schulleitungen) dabei unterstützen, Informationen über Schülerleistungen und Lernerfolge zu verarbeiten und möglichst Leistungssteigerungen zu erzielen.
  • Ziel ist es, die Leistungsstandards in der Schule zu erhöhen und möglichst Nachahmer für das Pilotprojekt zu motivieren. Hier sollen eindeutig der Schulerfolg von Schülerinnen und Schülern, deren Leistungen und Abschlüsse im Fokus stehen. Als Ergebnis wird erwartet, dass die am Projekt beteiligten Schulen lernen, die Lernerfolge ihrer Schüler zu analysieren und Maßnahmen ergreifen, um diese Leistungen zu verbessern.
 
Projektarchitektur
Der VBKI führt das Projekt gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie durch. Schulleitungen (auch erweiterte) und Unternehmen treten in einen moderierten Dialog darüber, wie die Qualität ihrer Einrichtungen und deren Ergebnisse verbessert werden können. Die Teilnahme von Schulen ist in jedem Fall freiwillig. Gesteuert wird das Projekt von einer gemeinsamen Kerngruppe aus Vertretern des VBKI und der SenBJF.
 
Werkstattgespräche
In einem ersten Schritt haben sich vier, dann zehn Schulen mit einem oder zwei Unternehmen darüber ausgetauscht, wie sie ihre eigene Entwicklung bearbeiten. In dieser ersten Phase wurden in vier Werkstattgesprächen folgende Leitfragen bearbeitet:
 
  • Welche Kultur der Verantwortlichkeit für die eigene Arbeit gibt es in der Schule/dem Unternehmen?
  • Wie gehen Schulen/Unternehmen mit Daten zum Erfolg ihrer Einrichtung um? Was sind zentrale Größen für den Erfolg einer Schule/eines Unternehmens?
  • Wie bearbeiten Schulen die Informationen über Schulabschlüsse, Schülerleistungen, die ihnen in Vergleichsarbeiten mitgeteilt werden, Übergangszahlen von Schüler:innen in weiterführende Bildungsgänge, Zahlen zur Schuldistanz (Fehlzeiten), etc.? Wie werden im Unternehmen die nötigen Informationen generiert und bearbeitet? In welcher Form wird das mit Schülern, Eltern, Kollegen, behördlichen Instanzen bzw. im Unternehmen: mit welchen Mitarbeitern besprochen?
  • Ist eine offene Kommunikation über Fehler oder Schwächen in der Einrichtung möglich?
  • Wie werden Schlussfolgerungen gezogen?
  • Gibt es jeweils Steuerungsgruppen oder Personen, die für die Qualitätsentwicklung verantwortlich sind? Werden Strategien zur Verbesserung der Arbeit erarbeitet? Gibt es Zielvereinbarungen oder Fortbildungsempfehlungen?
  • Gibt es nach diesen Werkstattgesprächen Erkenntnisse, die zu einer anderen Kultur von Verantwortung führen können?
 
Arbeitstreffen der Schulen zwischen den Werkstattgesprächen
In einem zweiten Schritt haben Schulen mit Unterstützung von Unternehmen diese Leitfragen für sich bearbeitet und Prozessergebnisse besonders zu den letzten beiden Fragen dokumentiert.
 
Pädagogischer Salon
In einem dritten Schritt wurde ein „Pädagogischer Salon“ gemeinsam von VBKI und der SenBJF durchgeführt. Zu den Schulen wurden die zuständigen Schulaufsichtspersonen eingeladen sowie das Institut für Schulqualität Berlin-Brandenburg (ISQ). Ausgehend von den oben genannten Fragestellungen ging es dabei um Führungs- und Verantwortungsstrukturen und wie insgesamt der Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern der je eigenen Einrichtung zum zentralen Anliegen gemacht werden kann.
 
Nach der pandemiebedingten Pause sind noch sieben Schulen im Projekt unterstützt von elf Unternehmensvertreterinnen und -vertretern.
 
Perspektive
Bis zum Ende des Jahres 2022 sollen möglichst sieben weitere Schulen aufgenommen und in die Verfahren eingearbeitet sein. Diese Schulen können von der SenBJF als Multiplikatoren eingesetzt werden. Der Pädagogische Salon wird einmal im Jahr von VBKI und Senatsverwaltung gemeinsam eingerichtet, um dauerhaft die Qualitätsentwicklung der Berliner Schule zu unterstützen.
 
Ansprechpartnerinnen
Hannelore Trageser, hannelore.trageser [at] gmail.com
Sybille Volkholz, sybillevolkholz [at] t-online.de