Usancen, die keinen Spaß machen

Klaus Wowereit und der dornige Weg nach Olympia

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

„Höher, schneller, umsatzstärker – Berlin, sein Sport und das Geld“: Anknüpfend an das Titelthema des VBKI Spiegel vom Januar diskutierte im VBKI ein hochrangig besetztes Panel über Gegenwart und Zukunft der Sportmetropole. Auf dem Podium: Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit, Landessportbundchef Klaus Böger, Hertha-Geschäftsführer Ingo Schiller und Eisschnelllaufweltmeisterin Jenny Wolf. Die Moderation übernahm Tagesspiegel-Sportchef Friedhard Teuffel.

Ein heißer Diskussionspunkt: Sollte sich Berlin um die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2014 bewerben? Eine Frage, bei der sich die Blicke des VBKI-Publikums vor allem auf den Regierenden richteten. „Berlin ist bereit“, sagte Klaus Wowereit, um im gleichen Atemzug den Ball an den deutschen Sport weiterzuspielen. Dort müsse zunächst man sich zunächst darüber verständigen, mit welcher deutschen Stadt man ins Rennen gehen wolle. Mit Blick auf die Erfahrungen der innerdeutschen Ausscheidung von 2003 sagte Wowereit: „Auf einen nationalen Städte-Wettbewerb würde ich mich nicht einlassen.“

Die Gepflogenheiten des IOC

Überhaupt wirkte Wowereit alles andere als begeistert von der Aussicht, sich und die Stadt einem eventuellen Auswahlverfahren auszusetzen. Assistiert von Jenny Wolf („Man muss sich gut überlegen, ob man sich auf das IOC einlässt“), machte der Chef des Berliner Senats aus seinem Herzen keine Mördergrube – und aus seiner Meinung über das Gebaren des IOC keinen Hehl. „Kann ein demokratisches Land in diesem Wettbewerb überhaupt noch bestehen?“ fragte er und kritisierte am Auswahlprozedere „Usancen, die keinen Spaß machen.“ Man demütige sich ohne Ende vor den IOC-Mitgliedern.

Einig war sich das Panel darin, dass die Stadt für Olympische Spiele grundsätzlich gerüstet sei. Jenny Wolf verwies auf die „optimalen Bedingungen für Sportler“ und die kurzen Wege in der Stadt, Ingo Schiller lobte die „einzigartige Verbindung von Breiten- und Spitzensport“. Dass Berlin beispielsweise gegenüber anderen Bundesliga-Standorten im Vorteil ist, „merken wir bei der Anwerbung unserer Spieler“, sagte Schiller. Berlin sei eben nicht Sinsheim.

Sport und Tourismus

Auch als Wirtschaftsfaktor hat der Sport Gewicht – der Sektor erwirtschaftet Umsätze von bis zu einer Milliarde Euro pro Jahr. Beispiel Tourismus: Ingo Schiller zufolge  kommen 12 Prozent der Berlin-Besucher wegen Sport-Events in die Stadt. Nun gehe es darum, Mittel zu akquirieren, um den Sportstandort Berlin noch besser zu vermarkten.
Berlin – gewappnet für alles, was da kommen mag? Seine Ausführungen zum Thema Olympische Spiele 2024 und IOC schloss Klaus Wowereit jedenfalls mit den Worten: „Wir sind immer noch bereit.“

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