Munterer Schlagabtausch bekannter Argumente

Unternehmer fragen Spitzenpolitiker zur Bundestagswahl

Elefantenrunde Gruppe?itok=mcIh2E7f
Foto: Michael Brunner

Knapp zwei Wochen vor der Bundestagswahl am 22. September hatten heute die IHK Berlin und der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) die Berliner Spitzenkandidaten zu Gast beim Wirtschaftspolitischen Frühstück. Das Aufeinandertreffen der Politiker im Ludwig Erhard Haus hat mittlerweile Tradition und fand großes Interesse bei den Unternehmern, vor der Wahl den Kandidaten auf den Zahn fühlen zu können.

IHK-Präsident Dr. Eric Schweitzer begrüßte auch im Namen des VBKI-Präsidenten Markus Voigt die über 350 Gäste im Saal sowie die Berliner Spitzenkandidaten auf dem Podium:
Monika Grütters (CDU)
, Gregor Gysi (Die Linke), Martin Lindner (FDP), Eva Högl (SPD) und Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen).

Im munteren Schlagabtausch bekannter Argumente ging es kreuz und quer durch drei inhaltliche Themenblöcke „Steuer-, Haushalts- und Europapolitik“, „Umwelt-, Energie- und Infrastrukturpolitik“ sowie „Arbeitsmarkt-, Forschungs- und Bildungspolitik“. Die beiden redegewandten Moderatoren Udo Marin, Geschäftsführer des VBKI, und Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der IHK Berlin, hatten die Sitzordnung auf dem Podium so gewählt, dass sie möglichst „unbequem“ für die Kandidaten war: Niemand sollte neben seinem vielleicht liebsten Koalitionspartner sitzen.

Dann wurden abwechselnd die Politiker vorgestellt, verbunden mit einer ersten Frage – wie von Udo Marin an Renate Künast, warum sie sich das denn „nach 2011 nochmal antue?“ Prompte Antwort von Künast: „Ich tue das nicht nur mir an, sondern uns!“ Und so ging es weiter. Jan Eder piekste Gregor Gysi: „Sie sind doch 65 Jahre alt geworden und kein Freund der späten Rentenzeit. Warum machen Sie denn weiter in der Politik?“ Darauf Gysi: „Das tut nichts zur Sache: Im Bundestag darf man auch bis 90 Jahre arbeiten“. In punkto Witz und Schlagfertigkeit hatten Künast und Gysi oft die Nase vorn. Aber es gab bei allem Spaß auch inhaltliche Antworten. Udo Marin spielte auf die Sektsteuer an, die einstmals den Flottenbau finanzieren half. Wie sehe es denn mit dem Solidaritätszuschlag aus? Monika Grütters wie aus der Pistole geschossen: „Mit uns wird es den „Soli“ noch bis 2019 geben. Deswegen stehen die neuen Bundesländer ja heute so vergleichsweise gut da“.

Die Redezeit war begrenzt und wurde mit hochgehaltenen gelben und roten Karten angezeigt. Als „Strafe“ wurden Minuszeiten beim folgenden Redebeitrag angedroht, aber so weit kam es nicht. Nur einmal protestierte Künast, „na dann sage ich eben später gar nichts mehr“, doch die Beiträge blieben - fast erstaunlich - im erwünschten Rahmen. Als Jan Eder Gysi bei einer Frage zur Steuerreform ansprach: „… wollen Sie Frankreich nacheifern – soll es Dieter Bohlen dem Gerard Depardieu nachmachen und zu Putin ziehen?“ konterte Gysi trocken: „Das würden wir sicher noch aushalten“ – sehr zur Freude des Publikums. Aber auch die FDP gab Anlass für Lacher, als Eder die Rolle der Partei mit dem Dasein einer jungen Wasserschildkröte verglich: Vielversprechend ge¬startet, zielstrebig unterwegs, dann kurz vorm Erreichen des Wassers – der Wahl – doch noch gescheitert. Martin Lindner ließ sich nicht aus dem Konzept bringen, wusste er doch um zahlreich im Saal vertretene FDP-Sympathisanten. Er forderte den Blick nach vorne und wandte sich gegen mögliche Steuererhöhungen durch rot-grün. Eher „faktenorientiert“ antwortete Eva Högl auf Eders Frage: „Wollen Sie denn eine VEB-Stromversorgung etablieren?“ mit „Nein, wir haben einen 10-Punkte-Plan“, den wir gerne – am liebsten mit den Grünen – anpacken würden“.

Und das leitete locker zum letzten Themenblock „Machtoptionen“ über, wer könnte mit wem koalieren? Das Saalpublikum war vor Beginn der Veranstaltung gebeten worden, seine Stimme heute schon einmal abzugeben. Das Ergebnis war – wenn man die Veranstaltung der Vorjahre beobachtet hatte – in etwa vorhersehbar: abgegebene Stimmen: 155, gültige Stimmen: 147.

  • „Welche Partei würden Sie heute wählen?“:
    CDU 52 Prozent (77 Stimmen), SPD und FDP mit jeweils 18 Prozent (mit je 27 Stimmen), Grüne und Linke jeweils 6 Prozent (mit je 8 Stimmen).
  • „Für welchen Spitzenkandidaten würden Sie sich heute entscheiden?“:
    Monika Grütters lag mit 60 Stimmen vorne, gefolgt von Martin Lindner mit 32 Stimmen, Eva Högl mit 15 Stimmen, Renate Künast mit 13 Stimmen und Gregor Gysi mit 12 Stimmen

Autor: Christine Nadler, Leitende Redakteurin „Berliner Wirtschaft“/IHK

Eine Auswahl der Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.