Die unterschätzte Gefahr – der Angriff aus dem Netz

Spiegel Titelgespräch zum Thema Cyberspionage in Deutschland

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Eigentlich könne man doch stolz sein darauf, ausspioniert zu werden. Denn „Ziel der Spionage ist nur, wer wichtig ist“, meint Dr. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz. So gesehen könnte Kanzlerin Angela Merkel im Moment ziemlich zufrieden sein angesichts der Abhöraffäre. Deutschland ist zweitgrößter Exporteur der Welt und Weltmarktführer in Nischen, die für die ausländische Konkurrenz sehr interessant sind. Die Informationsbeschaffung für die eigene Wirtschaft gehört vor allem für die Nachrichtendienste aus Russland und China zu den Hauptaufgaben, erklärt Maaßen.

Doch ist die deutsche Wirtschaft gegen Cyberspionage gerüstet? Diese Frage diskutierte Dr. Maaßen gemeinsam mit Dr. Constanze Kurz, Chaos Computer Club, Udo Wirtz, Sieemns AG, und Steffen Salvenmoser, PWC AG. Moderiert wurde die Runde von Moritz Döbler, Der Tagesspiegel.

Auf 4,2 Milliarden Euro schätzt die Sicherheitsberatungsfirma Corporate Trust den Schaden, der Deutschland durch Industriespionage im Jahr 2012 entstanden ist. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen unterschätzten oft die Gefahr, Opfer von Spionage zu werden, so Ex-Staatsanwalt und IT-Sicherheitsexperte bei PWC Steffen Salvenmoser. Die Identifizierung der Kronjuwelen oder „golden nuggets“ eines Unternehmens und die Investition in die richtige Abwehrstrategie seien daher extrem wichtig, erklärt Udo Wirtz, IT-Sicherheitsbeauftragter von Siemens. Dr. Constanze Kurz, die Sprecherin der Hacker-Organisation Chaos Computer Club (CCC), sieht vor allem das Problem der Loyalitäten. Viele Kommunikationsdienstleister seien per Gesetz zur Kooperation mit den staatlichen Nachrichtendiensten verpflichtet. „Es wird noch mehr Skandale geben,“ prophezeit Kurz.

Hier finden Sie eine Auswahl der Bilder des Abends.