„Wir haben bald mehr Netzeigentümer als Stromverbraucher“

EU-Energiekommissar Günther Oettinger beim VBKI Business Breakfast

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Die Begrüßung von EU-Kommissar Oettinger am Montagmorgen fiel nicht sehr sonnig aus - was weniger am Winterwetter lag. Die deutsche Wirtschaft sei „satt und träge“ und befinde sich noch „im Weihnachtsfrieden“. Dass die Energiepolitik in Deutschland die Industrie schont und Kompromisse mit der EU sucht, kann er nicht verstehen.

Soviel Einigkeit ist selten: Günther Oettinger, ehemaliger CDU-Ministerpräsident Baden-Württembergs und seit 2010 EU-Kommissar für Energie, befürwortet die Reformpläne des neuen deutschen Superministers für Wirtschaft und Energie Sigmar Gabriel: Die Energiewende braucht einen Neustart! Die Pläne Gabriels gehen "weit über die Koalitionsvereinbarung hinaus" und ermöglichen "eine unvoreingenommene Revisionsdebatte".

Im Rahmen seines Vortrags beim VBKI Business Breakfast plädierte Oettinger klar für die Europäisierung des Strommarktes. „Es gibt keinen deutschen Weg.“ In Berlin das Gewissen zu beruhigen, während die Nachbarn ihre Energie mit Kohle erzeugten, mache keinen Sinn. Eine Energie-Industrie-Strategie muss her. Vor allem bei den großen Playern im Energiebereich habe Deutschland deutlich aufzuholen. „Wir brauchen so etwas wie ein Bayern München in der Energie-Champions League.“

Dabei gelte es jedoch, so Oettinger, den „Schweinsgalopp“ beim Ausbau der volatilen erneuerbaren Energien zu beenden. Investitionen in die Stromnetze haben Vorrang. Im ersten Schritt müsse daher vor allem in den Leitungsbau und die Entwicklung der Speichertechnik investiert werden – danach könne dann der Ausbau vorangetrieben werden. Ganze eineinhalb Stunden nahm sich der Kommissar Zeit für den VBKI – unterbrochen von einem zehnminütigen Telefongespräch. Oettinger ist gefragt in diesen Zeiten.

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.

Datum: Di, 28.01.2014 - 13:21 Uhr