„Jugendarbeitslosigkeit ist eine Schande für die Stadt“

Arbeitssenatorin Dilek Kolat beim VBKI Business Breakfast

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Für eine Berliner Arbeitssenatorin ist die gegenwärtige Lage recht angenehm: Die Wirtschaft boomt, die Bevölkerung wächst, die Beschäftigungszahlen eilen von Rekord zu Rekord. Beim VBKI Business Breakfast erläutert Dilek Kolat, warum es für sie dennoch ausreichend Gründe gibt, morgens früh aus den Federn zu kommen.

„Beschäftigungswachstum ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Voraussetzung für den Abbau von Arbeitslosigkeit“, sagte Frau Kolat nach der Begrüßung durch VBKI-Geschäftsführer Udo Marin. Zwar könne Berlin mit einigem Selbstbewusstsein auf den seit 2005 vorherrschenden Trend mit wachsender Beschäftigung, sinkender Arbeitslosigkeit uns einer steigenden Bevölkerungszahl blicken. Dennoch gebe es in der Arbeitsmarktpolitik keinen Mangel an Handlungsbedarf.

Ungenutzte Potenziale nutzen

Zum Beispiel erfordert der sich verschärfende Fachkräftemangel, ungenutzte Potenziale besser als bisher zu nutzen. Sie wolle Brücken schaffen für die Vielzahl von hochqualifizierten Frauen, die nach beruflichen Auszeiten wieder zurück in den Arbeitsmarkt wollen. Auch für Menschen mit Migrationshintergrund müsse der Zugang zum Arbeitsmarkt weiter geöffnet werden.

"Qualifizierungsmaschinerie umbauen"

Herausforderungen wie den Fachkräftemangel will die Arbeitssenatorin mit einer neuen Schwerpunktsetzung in der Arbeitsmarktpolitik begegnen. Der Vorgängerregierung habe es verpasst, die arbeitspolitischen Maßnahmen an die neue wirtschaftliche Dynamik anzupassen. „Wir dürfen die Menschen nicht im zweiten Arbeitsmarkt gefangen halten“, sagte Kolat. Deshalb sei sie im Begriff, die „Qualifizierungsmaschinerie“ umzubauen und auf die gegenwärtigen Chancen im ersten Arbeitsmarkt auszurichten.

Ein zentrales Ziel ist für Kolat beispielsweise die Senkung der Jugendarbeitslosigkeit, deren enorme Höhe sie als „Schande für die Stadt“ bezeichnete. Berlin könne sich 20.000 Menschen unter 25 ohne Arbeit nicht leisten. Sie will die Quote, die im letzten Jahr von 14 auf 10 Prozent gesunken ist, auf unter 10 Prozent drücken. 

Stärkung der dualen Ausbildung

Als wichtigste Maßnahme zur Fachkräftesicherung betrachtet die Arbeitssenatorin eine Stärkung der dualen Ausbildung. Kolat will vor allem einem doppelten Trend entgegenwirken: Zum einen hat aus ihrer Sicht dieser Berufseinstieg bei vielen Jugendlichen an Attraktivität eingebüßt. Zum anderen bieten die Unternehmen immer weniger Ausbildungsplätze an. „Es macht mir Sorgen, dass die Ausbildungsquote inzwischen auf 4,3 Prozehnt gesunken ist“, sagte Frau Kolat und appellierte an die anwesenden Unternehmer, die Schaffung neuer Ausbildungsplätze zu prüfen.

Langzeitarbeitslosen möchte die Arbeitssenatorin mit einem Coachingprogramm den Weg in den ersten Arbeitsmarkt ebnen. „Innerhalb des ersten Dreivierteljahres hatten wir 9.000 freiwillige Teilnehmer.“ Die Arbeitssenatorin warb bei ihrem Publikum dafür, diesen Menschen Türen zu öffnen.

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.