Remote Work & Reisen

Rechtliche, unternehmerische und wissenschaftliche Perspektiven

Header Webseite Remote Work?itok=AzPYSzSJ
Foto: Businessfotografie Haar

Remote Work und Reisen – ein sehr aktuelles Thema, das wir im Rahmen einer hybriden Panel Diskussion mit vier großartigen Referenten aus wissenschaftlicher, unternehmerischer und rechtlicher Perspektive diskutiert und auch die Chancen für die Tourismusbranche erörtert haben.

Auf dem Podium im Goldberger Saal waren neben Karsten Bich (Mitglied der Geschäftsleitung bei DIN und als Volljurist verantwortlich für die strategische Transformation im Unternehmen) und Prof. Dr. Robert von Steinau-Steinrück (Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei Luther Rechtsanwaltsgesellschaft am Berliner Standort) auch Sylvie Konzack (Chefredakteurin des Bleisure Traveller Magazins) vertreten. Online aus Dortmund hinzugeschaltet war Prof. Maxie Wilkesmann, die als Professorin für Arbeits- und Organisationssoziologie an der Technischen Universität Dortmund u.a. im Bereich New Work und Digitalisierung forscht, aktuell auch zu Workation und Bleisure Travel. Moderiert wurde das Panel von Corinna Döpkens (Inhaberin Corinna Döpkens Travel Management und Mitglied im VBKI), die selber rund um den Globus arbeitet und die Verbindung von Arbeit und Reisen auch bei ihren Beratungskunden sieht.
 
Um die Gäste im Goldberger Saal und auch die online zugeschalteten Teilnehmer abzuholen und auf einen Wissenstand zu bringen, erläuterte Sylvie Konzack einleitend die Begriffe Workation (Work + Vacation) und Bleisure (Business + Leisure) Travel. Während man bei einer Workation eine Zeit in einer Urlaubsdestination (im In- oder Ausland) arbeitet, ist mit Bleisure Travel gemeint, dass man eine berufliche Reise privat verlängert.
 
Vor der Corona-Pandemie waren moderne Arbeitsmodelle wie Homeoffice oder Remote Work für viele Unternehmen in Deutschland schier unmöglich. Das hat sich in den letzten Monaten komplett verändert. Es gibt zahlreiche Berufe, die prinzipiell von überall auf der Welt ausgeübt werden können. Warum also nicht auch als Workation von dort, wo andere sonst Urlaub machen? Karsten Bich sieht dieses bei DIN zumindest in Deutschland schon sehr gut gelebt, betonte aber auch, dass dieses im Ausland nicht so einfach in Unternehmen umzusetzen ist.
 
Herr Prof. von Steinau-Steinrück unterstrich diese Aussage. Generell gilt, dass Arbeitnehmer nicht selbst bestimmen dürfen, wann und wie lange sie aus dem Ausland arbeiten – da hat der Arbeitgeber grundsätzlich ein Wörtchen mitzureden. Dieser muss nämlich einige Dinge beachten. Workation und Bleisure Travel haben Auswirkungen auf die Bereiche Arbeit, Leben und Tourismus. Es gibt hierzu verschiedene Befragungen: z.B. von Expedia mit dem Ergebnis, das fast die Hälfte der Deutschen, die im Homeoffice arbeiten, gerne ab und zu von einem anderen Ort arbeiten möchten. Frau Prof. Wilkesmann stellte dazu einige Ergebnisse ihres wissenschaftlichen Kurzprojekts vor, das genau diese Auswirkungen untersucht.
 
Vor Corona war die Verknüpfung von Arbeit und Reisen eher ein Privileg der digitalen Nomaden oder Freiberuflern. Frau Prof. Wilkesmann sieht hier langfristig weitere Nutzergruppen, auch wenn es bei einigen sicherlich eine Momentaufnahme bleibt, um nach der langen Zeit zuhause raus zu kommen.
 
Remote Work und Reisen ist auch eine tolle Chance für die Tourismus- und vor allem für die Hotelbranche. Dieses bestätigte Sylvie Konzack, die die Themen Workation, Remote Work und Longstay für wichtiger denn je hält. Viele Anbieter richten ihr Angebot auf diese neue Zielgruppe aus. Im Gegensatz zu Workation ist Bleisure Travel kein neues Thema. Bei DIN ist das auch durchaus so gewünscht, um die jeweilige Kultur der Geschäftspartner besser kennenzulernen. In der Travel Policy wird dies entsprechend kommuniziert. Allerdings ist es notwendig, dass die Mitarbeiter eine private Verlängerung mit dem Arbeitgeber absprechen.
 
Bei der abschließenden Fragerunde wurde deutlich, dass sich die meisten Teilnehmenden schon mit „Remote Work und Reisen“ auseinander gesetzt haben und dies sicherlich weiterhin ein wichtiges Thema sein wird.