Problem Plastik

Vermeiden, wiederverwenden, recyclen - Leben im Zeitalter des Kunststoffs

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Eine Million große Lastwagen wären pro Jahr nötig, um den Müll aller Menschen in Deutschland zu transportieren. Jeder von uns produziert im Jahr ungefähr 617 Kilogramm Müll - ein nicht unerheblicher Teil davon ist Kunststoff. Muss das sein?

Zur Europäischen Woche der Abfallvermeidung haben wir uns auf die Spur des Plastiks gemacht und mit Experten über die Themen Vermeidung und Wiederverwertung von Kunststoffen gesprochen. Unter welchem Blickwinkel beurteilen Industrie und Entsorgungswirtschaft das Problem, wie lauten die Standpunkte von Umweltschutzverbänden, was tut die Politik, um dem Problem Herr zu werden? Moderiert von Dr. Wolfgang Petri vom Ausschuss Wirtschaft und Ethik im VBKI, wurde in der Runde rasch ein Konsens deutlich: Vermeidung schlägt Recycling. In Deutschland werde zwar so gut gesammelt wie sonst nirgends auf der Welt. Das Problem sei die Recyclate in den Kreislauf zu bringen und sie so lange wie möglich zu halten. Und hier liegen auch drei großen Anforderungen an die Recyclate: Qualität, Quantität und der Preis. Recycltes Material ist teurer als Rohöl.
 
Besonderes Augenmerk lag auf dem Problem des Mikroplastiks. Anders als herkömmliche Plastikmaterialien entzieht sich Mikroplastik weitgehend der Kreislaufwirtschaft und gelangt auf unterschiedlichen Wegen in die Umwelt. Klassische Beispiele sind der Abrieb von Gummireifen, abblätternde Fassaden oder Kunststoffbestandteile in Textilien, die mit jedem Waschvorgang ins Abwasser gelangen. Auf diese Weise reichert sich Mikroplastik in großen Mengen in der Umwelt an und finden ihren Weg auch in die Nahrungsketten von Menschen. Leider gibt es bislang kaum belastbare Erkenntnisse zur toxikologischen Wirkung dieser synthetischen Polymere.
 
 
Dr. Andreas Jaron vom Bundesumweltministerium verwies vor allem auf die ethische und gesellschaftliche Dimension des Problems: „Wir leben im Zeitalter des Kunststoffs, alles um uns herum betsteht aus Kunststoff -Möbel, Fahrzeuge, Medizingeräte.“ Klar sei: Die Kreislaufwirtschaft könne nicht der Reparaturbetrieb unserer Wohlstandsgesellschaft sein. "Wir wundern uns zwar, wenn deutscher Plastikmüll an indonesischen oder afrikanischen Küsten auftaucht – aber der Turnschuh, den wir online bestellen, ist in Plastiktüten verpackt und kommt auch oft von dort."
 
Wie gelangt der regulär und legal exportierte Plastikmüll aus Deutschland im Ausland in die Umwelt? Katharina Istel vom NABU verwies auf "schwarze Schafe", die es natürlich auch dort gebe. Wichtig seien Aufklärung und Information vor Ort. Die großen Lösungen, so Peter Kurth, Präsident des BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft, fänden sich allerdings auf dem Feld der internationalen Zusammenarbeit: Wie können wir die Kreislaufwirtschaft in Asien und Afrika zum Laufen bringen?