Oh wie schön ist Kanada?

Deutschland im Wettbewerb um internationale Film- und Serienproduktionen

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Foto: VBKI

„Wie kann Deutschland stärker vom Aufschwung der internationalen Filmwirtschaft profitieren? – Antworten auf diese Frage lieferte eine Podiumsdiskussion im VBKI. Mit dabei: Filmproduzentin Jantje Friese, Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, Franz Kraus, Aufsichtsrat der ARRI AG, Thilo Kuther, Gründer und Präsident von PIXOMONDO sowie Dr. Carl Woebcken, CEO von den Studios Babelsberg AG. Moderiert wurde das Panel von der Freien Film- und Medienjournalistin Katharina Dockhorn.

In Deutschland existieren rund 15 öffentliche Förderinstitutionen, die der deutschen Filmproduktion jährlich ein Budget von mehr als 200 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Im Jahr 2018 wurden 130 Millionen Euro für Film- und 30 Millionen Euro für Serienproduktionen ausgegeben. Das klingt beträchtlich, allerdings sind die Fördergelder beispielsweise in Frankreich doppelt so hoch.
 
 
Und der Standortwettbewerb ist in vollem Gange, überall wird um die großen Produktionen gebuhlt. Franz Kraus zufolge ist Deutschland dabei etwas ins Hintertreffen geraten, die großen Projekte – insbesondere die großen Serienproduktionen – gingen derzeit nach London, Budapest oder Prag. Charlie Woebcken ging noch weiter und diagnostizierte: „Die großen seriellen Projekte kann man hier nicht mehr produzieren."
 
Woran liegt das? Worin liegt der Wettbewerbsnachteil? Die Diskutanten beklagten vor allem die Schwerfälligkeit des Förderapparats. Jantje Friese, die das erste deutsche Netflix-Projekt Dark produzierte, kritisierte beispielsweise die umständlichen Vergabeverfahren und komplexen Gremienstrukturen. Die Bürokratie behindere hierzulande die künstlerische Entfaltung und lenke vom eigentlichen Projekt ab. „Der Filmwirtschaft in Deutschland fehlt es an einer steuerlichen Förderung, an mehr Planungssicherheit und an einem schnellen flexiblen System zur Umsetzung eines Films“, sagte Jantje Friese und ernte viel Zustimmung auf dem Podium.
 
Von wem lässt sich lernen? Pixomondo-Präsident Kuther führte Kanada als Positiv-Beispiel an. Dort werde viel Augenmerk darauf gelegt, eine richtige Industrie zu etablieren. Es werde laufend produziert, was der Planungssicherheit aller Akteure entgegenkomme. Auch für Werner Gatzer, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, bietet der Filmsektor viel Potenzial: „Die Filmbranche ist ein wachsendes Geschäft. Da lohnt es sich zu investieren." Allerdings würden Produktionsstandorte nicht ausschließlich nach finanziellen Kriterien ausgewählt, auch andere Faktoren spielten eine Rolle. Tatsächlich könne der Staat nicht alles kompensieren – und habe kein Geld zu verschenken.