Neue Strategien trotz und wegen des Brexit

Die Oxford-Berlin-Wissenschaftskooperation

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Bereits zum zweiten Mal kamen rund 30 Mitglieder und Gäste des VBKI in den Räumen von Kienbaum zusammen. Udo Marin begrüßte gemeinsame mit Nicole Bachor und Stefan Rupp (beide Kienbaum) die rund 30 Teilnehmer und Impulsgast Prof. Alastair Buchan, Pro-Vice-Chancellor der University of Oxford sowie Mitglied des Oversight Committee der Oxford-Berlin-University-Alliance (BUA). Um Letztere und ihre hohe Relevanz - gerade in den ungewissen Zeiten des Brexit-Referendums - ging es auch in seinem Vortrag. Während britische Politiker sich für den Brexit stark machen, haben sich die University of Oxford und vier Berliner Einrichtungen, die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin und die Charité Universitätsmedizin Berlin, in den vergangenen zweieinhalb Jahren zum Aufbau einer weitreichenden Partnerschaft zusammengetan. Denn der drohende Brexit betrifft die englischen Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen schon seit Monaten: es fehlt an Mitarbeitern aus dem europäischen Ausland, neuen EU-Studenten und natürlich an EU-Fördermitteln, hohen Millionenbeträgen, von denen auch die UK-Universitäten profitierten und deren Wegfall unbedingt kompensiert werden muss . Deshalb sieht Prof. Buchan das wichtigste Ziel der University Alliance darin, neue Kooperationen zu organisieren und in bestehenden EU-Programmen zu verbleiben. Als einen besonders wertvollen Partner für Oxford nennt er das Berlin Institute of Health. Andersherum kann Oxford ein ebenso gutes Vorbild für Berlin sein, insbesondere was die Attraktion von Studenten betrifft, die bereits vor Antritt des Hochschulstudiums oder dem Zeitraum ihrer Forschung mit einem Stipendium ausgestattet sind.
 
Die Finanzierung der Oxford-Berlin-Allianz erfolgt hauptsächlich durch die Stadt Berlin und private Sponsoren, die bisherigen Ergebnisse dieses Vorzeigeprojektes können sich sehen lassen: Hervorragende, mehrfach prämierte Clusterforschung, über 600 Teilnehmer/innen und rund 60 Projekte und Events bis Ende 2019, darunter solche mit dem Naturkundemuseum oder mit Siemensstadt. Die Erkenntnis, dass Forschung und Wissenschaft eben nicht nur national erfolgen, sondern grenzübergreifendes Wissen zusammen kommen muss, um innovativ, erfolgreich und zeitgemäß zu sein, ist keinesfalls neu; bestes Beispiel sei die Gründung der Bologna Universität im Jahr 1088, die Studenten über die Landesgrenzen hinaus zusammenbrachte. „Only national is NOT science“, bringt Alastair Buchan es auf den Punkt. Dieser Gedanke müsse weitergeführt werden, und nicht nur die Länder, sondern auch die Bundesregierung bzw. weitere Nationen (u.a. die USA) sollten sich ihrer Verantwortung in diesem Bereich bewusst sein und die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. Nur so könnten die Folgen bzw. Verluste des Brexit aufgefangen und das Netzwerk weiter ausgebaut, Mitarbeiter und Studenten gewonnen und gehalten werden.
 
Auf diese spannenden Einblicke in die strategische Partnerschaft zwischen Oxford und Berlin folgte auf Einladung der Gastgeber noch die gute Gelegenheit, sich bei einem Imbiss weiter auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.