Naturheilkunde und Schulmedizin

Die integrative Medizin der Zukunft

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Foto: Businessfotografie Inga Haar / VBKI

Klassische Medizin und Naturheilkunde "Hand in Hand" für die Gesundheit der Menschen - kann das gehen?

Durchaus, meint Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Inhaber der Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité Universitätsmedizin Berlin.
 
Beim Berlin Healthcare Lunch am vergangenen Montag, zu dem der VBKI gemeinsam mit Mazars interessierte Mitglieder und Player der Gesundheitsbranche eingeladen hatte, gab der Mediziner interessante Einblicke zu den Vorteilen eines integrativen Ansatzes und sein Eintreten für eine verstärkte Zusammenarbeit von Naturheilkunde und Schulmedizin.

Michalsen betonte, dass die Schulmedizin nicht immer Lösungen für viele der heute typischen (chronischen) Zivilisationskrankheiten, oftmals ausgelöst durch zu wenig Bewegung, eine falsche Ernährungsweise und auch die Tatsache des höheren Altersdurchschnitts, bieten könne. „Unsere ‚biologische Programmierung‘ ist anders, als unser heutiger Lebensstil.“ Dagegen könnten verschiedene Naturheilverfahren wie beispielsweise die Thermaltherapie nach Pfarrer Kneipp, Hyperthermie (system. Wärme-Kältetherapie), aber auch eine ausgewogene Ernährung mit frischem Gemüse, Gewürzen, Früchten und Ölen (mediterrane Diät) u.a. zur Behandlung unterschiedlichster Beschwerden eingesetzt werden. Und das erwiesenermaßen erfolgreich. „Für mich ist die Ernährung wie ein Medikament,“ so Michalsen. Gerade bei Depressionen, Bluthochdruck, Rheuma, Diabetes und diversen chronischen Schmerzen wirke eine entsprechende Ernährungsumstellung oftmals Wunder. Das konnten einige der Teilnehmer auch aus eigener Erfahrung bestätigen.
 
Viele Erkrankte profitierten von der positiven Wirkung des Heilfastens (z.B. nach Dr. Otto Buchinger), und auch das derzeit so populäre Intervallfasten senke die Entzündungswerte im Körper. Wer wiederum meditiert, so Michaelsen, habe ebenfalls gute Aussicht auf Schmerzlinderung. Yoga, Tai Chi und Qui Gong helfen bei Rückenproblemen. Und was einige von uns Großstädtern sicherlich sehr gut nachvollziehen oder gar bestätigen können: nichts tut Körper und Seele so gut wie ein langer Strandspaziergang oder sonstige Bewegung in der Natur - besonders das „Waldbaden“ sei empfehlenswert für dem Entspannungssuchenden, auch wenn sich noch nicht so recht erklären lasse, warum dem so ist.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum nannte der Mediziner ein seiner Meinung nach grundlegendes „Problem“ unseres Gesundheitssystems: So gut dieses auch medizinisch aufgestellt sei, so konzentriere es sich stark auf die Heilung von Erkrankungen und setze (noch) zu wenig auf die Möglichkeiten vorbeugender Maßnahmen. Das betreffe sowohl die Grundlagenforschung als auch die Arbeitsweise der Krankenkassen usw. Sein Plädoyer für die Zukunft: „Naturheilkunde sollte ihren festen Platz in der Prävention finden!“