Mehr als Pizza, Pasta und Promotion

Lieferando-Chef Jörg Gerbig beim Unternehmertreffen

Lieferando-Chef Jörg Gerbig beim Unternehmertreffen des VBKI
Foto: Businessfotografie Inga Haar

Beim VBKI Unternehmertreffen spricht der Mitgründer und Geschäftsführer von Lieferando, Jörg Gerbig, über seine Anfänge, darüber, wie rasant sich der Markt der Lieferdienste verändert hat und was das alles mit dem Film „Wolf of Wall Street“ zu tun hat.

„Die einzige Sache, die zwischen dir und deinem Ziel steht, ist die bescheuerte Geschichte, wieso du es nicht erreichen kannst, die du dir ständig erzählst.“ Jörg Gerbig fängt mit einem Zitat des schillernden Börsenmaklers (und Betrügers) Jordan Belfort an, der in den 80ern gewissermaßen über Nacht mit 26 Jahren zum Multimillionär wurde.

Gerbigs Geschichte ist eine andere, nicht weniger erfolgreiche. Der 34 Jahre alte studierte Betriebswirt hat Lieferando 2009 gemeinsam mit Christoph Gerber und Kai Hansen in Berlin gegründet. Die Idee kam Gerbig in London, wo er als Banker tätig war. „Dort konnten wir Pizza auf Firmenkosten bestellen“, sagt Gerbig. Am Ende des Monats bekam die Bank dann eine gesammelte Rechnung. Eine Super-Idee, die Gerbig mit seinen Mitstreitern in Deutschland etablieren wollte. Daraus wurde aber nichts. Stattdessen wurde Lieferando zum erfolgreichsten Online-Lieferdienst - auch ohne Firmen-Sammelrechnungs-Service. Im Juli 2011 hat Lieferando im Zuge seiner Expansion den Konkurrenten Eat-Star übernommen. Seit 2014 gehört Lieferando zur Holding von Takeaway.com, in Deutschland als Lieferservice.de bekannt. Mit mehr als 10.000 Lieferdiensten dominiert Lieferando den digitalen, deutschen Lieferdienst-Markt.

Auch die Werbung dominiert Lieferando: So promotet sich das Unternehmen mit Plakatkampagnen (etwa „Dönerteller Versace“ und „Isch bin dir Farfalle“) und macht so von sich reden. Auch wegen eines 60 Meter mal 30 Meter großen Werbeplakats am U- und S-Bahnhof Zoologischer Garten. Garniert mit drei saftigen Burgern war da im Oktober 2014 zu lesen: „Wir Rinder vom Bahnhof Zoo“. Ein Riesen-Aufreger. „Aber sogar Christiane F. fand die Idee lustig“, erzählt Gerbig. Christiane Felscherinow, die 1978 das berühmte Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, die Geschichte ihrer eigenen Fixerjugend, verfasste, sagte in der B.Z.: „Ich finde die Aufregung ziemlich daneben. Ich musste schmunzeln, als ich das gelesen habe.“

Lieferando, sagt Gerbig, soll die beste und größte Lieferseite werden. Dafür wirbt das Unternehmen nicht nur auf Plakaten, sondern auch im Fernsehen (Fußball), im Internet (BILD.de) und auf dem Brandenburger Tor. Es scheint, als seien Gerbig und Lieferando auf einem guten Weg.

Die Veranstaltung moderierte Professor Dietrich Winterhager, der ehemals am Fachbereich Volkswirtschaftspolitik der Freien Universität tätig war. Zu essen wurde übrigens nichts bestellt. Es gab zweierlei Suppen.

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