Lockdown: Wirtschaft an der Belastungsgrenze

VBKI-Unternehmerumfrage: Sorgenvoller Blick in die Zukunft

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Foto: VBKI

Die Corona-Krise hält Deutschland fest im Griff, die Zukunftssorgen wachsen – auch und gerade in der Berliner Wirtschaft. Laut einer aktuellen Online-Umfrage unter den VBKI-Mitgliedern rechnen fast 90 Prozent mit einer Welle von Insolvenzen infolge der Pandemie.

Ein in etwa ebenso großer Anteil geht davon aus, dass der volkswirtschaftliche Schaden durch die Krise „sehr groß“ (40 Prozent) oder „groß“ (50,4 Prozent) ausfallen wird. Die Optimisten, die mit allenfalls geringen wirtschaftlichen Auswirkungen rechnen, sind mit etwas über 8 Prozent deutlich in der Minderheit.
 
Ein differenzierteres Bild ergibt sich beim Blick auf die persönliche Betroffenheit: Knapp die Hälfte der der Hauptstadtunternehmerinnen und -unternehmer (46,3 Prozent) leiden infolge der Pandemie unter Umsatzeinbußen, insgesamt 15 Prozent der Befragten verzeichnen sogar Umsatzeinbrüche von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings sprechen auch etwa 36 Prozent von stabilen Umsätzen (+/- 5 Prozent), 7,4 Prozent konnten diese gar steigern.
 
„Allen ermutigenden Nachrichten etwa zur Impfstoffentwicklung zum Trotz – es sind die Molltöne, die unter Berlins Wirtschaftstreibenden den Blick in die Zukunft begleiten. Unter dem Eindruck eines auf hohem Niveau allenfalls stagnierenden Infektionsgeschehens und Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung, die in Dauer und Umfang schwer einzuschätzen sind, dominiert bei Berlins Unternehmern und Selbständigen große Unsicherheit. Allerdings scheinen die staatlichen Stützungsmaßnahmen bislang Schlimmeres verhindert zu haben “, sagte VBKI-Präsident Markus Voigt.
 
Insgesamt 37,4 Prozent der Befragten geben an, bereits staatliche Corona-Hilfe (Kurzarbeit, Darlehen, direkte Beihilfen) in Anspruch genommen zu haben, bei rund 55 Prozent ist dies nicht der Fall. Reichen die Maßnahmen von Bund und Ländern aus, um wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten? An dieser Frage scheiden sich die Geister, die mit „Nein“-Antwortenden (43 Prozent) und die „Ja“-Sager (46 Prozent) halten sich in etwa die Waage. 
 
Allerdings wird das Krisenmanagement von Bund und Ländern im Spannungsfeld zwischen Gesundheitsschutz und Schutz der Wirtschaft tendenziell kritisch beurteilt: Eine Mehrheit von ca. 51 Prozent gibt an, die staatliche Pandemiebekämpfung verliere die Bedürfnisse der Wirtschaft aus dem Blick. Etwa 43 Prozent sprechen von einem „richtigen Maß“. 
 
Und wie viele Lockdowns verträgt die Wirtschaft noch?  Für drei von zehn Befragten ist die Belastungsgrenze bereits überschritten. Gut 34 Prozent fordern ein Ende der Lockdownmaßnahmen spätestens zum Jahreswechsel, während ca. 22 Prozent davon ausgehen, dass die Wirtschaft robust genug ist, um eine Fortsetzung der Maßnahmen über die gesamten Wintermonate hinweg zu verkraften.
 
Das Krisenmanagement des Berliner Senats bewerten die Hauptstadtunternehmerinnen und Hauptstadtunternehmer im Schnitt mit der Schulnote „ausreichend“. Die Note „sehr gut“ erhält die Landesregierung lediglich von einem der 271 Umfrageteilnehmer. 10,4 Prozent der Befragten vergeben die Note „gut“, 24,8 Prozent die Note „befriedigend“ und 23 Prozent die Note „ausreichend“. Fünfen und Sechsen vergeben 26,7 Prozent beziehungsweise 13 Prozent der Befragten.
 
Zum Schluss die Frage, wer am Ende für die enormen Ausgaben aufkommen muss: 70 Prozent rechnen mit baldigen Steuererhöhungen zur Finanzierung der Corona-Maßnahmen, 24 Prozent gehen nicht davon aus.
 
Die Daten beruhen auf einer anonymen Online-Erhebung, die der VBKI zwischen dem 18. und 22. November 2020 unter seinen Mitgliedern durchgeführt hat. Per Mail wurden ca. 1900 Mitglieder um Teilnahme gebeten, 272 haben sich an der Umfrage beteiligt.