Keine einfachen Lösungen

Foreign Policy Lunch: Wie geht es weiter in Hongkong?

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Foto: Rainer Kurzeder

Seit mehr als 5 Monaten dauern die Proteste in Hongkong nun an. In den letzten Wochen und Tagen weiteten sie sich spürbar aus und wurden zunehmend massiver und gewalttätiger.

Anlass genug für den VBKI, am 19. November 2019 im Capital Club eine Veranstaltung zu den aktuellen Verhältnissen in Hongkong durchzuführen und mehr über die Hintergründe der Proteste zu erfahren. Als Experte eingeladen war Max J. Zenglein, der das Programm Wirtschaft bei dem Mercator Institute for China Studies (MERICS) leitet und sich mit Chinas makroökonomischer Wirtschaftsentwicklung, mit Handelsbeziehungen und der Industriepolitik beschäftigt. Wie Zenglein verfügt auch die zweite im Bunde, Kirsten Giering, über intensive China-Kenntnisse. So baute die Moderatorin des Gesprächs u.a. die Niederlassung eines Multikonzerns in der Volksrepublik China auf und bietet als Consultant ein länderspezifisches interkulturelles Training „Fit für China“ an.
 
 
So verwiesen ihre Fragen auf die Komplexität der Auseinandersetzungen in Hongkong. Anfänglich protestierten die Menschen in der ehemaligen britischen Kronkolonie gegen ein inzwischen zurückgenommenes Auslieferungsgesetz. Dieses Gesetz hätte es der Regierung ermöglicht hätte, Hongkonger auch an die Behörden in Festlandchina zu überstellen. Damit wäre aber, so auch die Wahrnehmung der Menschen in Hongkong, der Grundsatz „1 Land, 2 Systeme“ verletzt. Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong autonom als eigenes Territorium regiert. Zwar stehen die 7 Millionen Hongkonger unter Chinas Souveränität, genießen aber anders als die Chinesen in der Volksrepublik mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Hongkong ist zugleich eine der freiesten Wirtschaftszonen der Welt. Die Hongkonger kämpfen daher sowohl um politische Mitbestimmungsperspektiven als auch um den Erhalt ihres kapitalistischen Wirtschaftsstandortes. Beides am liebsten über 2047 hinaus, wenn die weitreichende Autonomie enden wird.
 
Die Perspektiven für die Hongkonger wird nach 2047 nicht attraktiver. Kirsten Giering verwies auf die Pläne der chinesischen Regierung für das Perlflussdelta. Neben Hongkong gibt es dort weitere bedeutende Städte, wie Shenzhen, Dongguan, Hongkong, Huizhou und Macau – alles Millionenstädte. Noch profitierten diese Städte von der Nachbarschaft zum dynamischen Hongkong, ab Mitte des 21. Jahrhunderts soll die Ex-Kolonie ihren Sonderstatus verlieren und sich in die Reihe der anderen chinesischen Millionenstädte einordnen.
 
Keine guten Aussichten für die Hongkonger und so kämpfen sie nicht nur für die politische Situation der Gegenwart, sondern auch für ihre ökonomischen und politischen Verhältnisse in der Zukunft. Einfache Lösungen, so Kirsten Giering und Max Zenglein, wird es wohl nicht geben.