Gemischtes Doppel: Ramona Pop und Prof. Jörg Steinbach zu Gast

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Foto: VBKI

Gemischtes Doppel – unter dieser Überschrift haben wir vor einigen Jahren im VBKI SPIEGEL einen näheren Blick auf die Zusammenarbeit zwischen Berlin und Brandenburg geworfen. Zugegeben: Der Schwerpunkt lag auf „gemischt“ im Sinne von „gemischte Gefühle“. Gerade in jüngerer Zeit hat sich die Stimmungslage aber deutlich aufgehellt und die Kooperation Fahrt aufgenommen. Gemeinsam hat sich das Doppel einige Big Points erspielt – auch und gerade in der Ansiedlungspolitik. Tesla in Grünheide, Mercedes-Benz in Ludwigsfelde und Marienfelde sind zwei der besonders sichtbaren Belege.

Beim VBKI-Business Breakfast stellten sich die Wirtschaftsressortleiter der beiden Länder, Ramona Pop und Prof. Dr. Jörg Steinbach, den Fragen von VBKI-Geschäftsführerin Claudia Große-Leege und der insgesamt rund 90 Teilnehmer der digitalen Runde. Natürlich ging der Blick auch zurück auf das Jahr 1996, als die Fusion der beiden Länder am negativen Votum der Brandenburger gescheitert war. Beide, sowohl Frau Pop („Wir leiden immer noch an der gescheiterten Fusion“) als auch Prof. Steinbach („Ein großer Fehler, wir würden heute besser dastehen, wenn es damals funktioniert hätte“) deuteten das Abstimmungsergebnis von 1996 als verpasste Großchance. Heute gehe es darum, in der Praxis die Zusammenarbeit bestmöglich zu gestalten. Zwar sei selbstverständlich noch Luft nach oben, aber man habe in den vergangenen Jahren erhebliche Schritte nach vorn gemacht, so der Brandenburgische Minister. Pop verwies beispielhaft auf den gemeinsamen Landesentwicklungsplan, das Projekt i2030 (gemeinsame Planung des grenzüberschreitenden ÖPNV) und natürlich auf die jüngsten Ansiedlungserfolge – auch das Ergebnis eines neuen Geistes in der Zusammenarbeit. Der brandenburgische Minister bilanzierte den aktuellen Stand der Kooperation wie folgt: „Wir sind etwa zu einem Drittel bis zur Hälfte des Weges gegangen, den wir gemeinsam gehen könnten.“
 
Insbesondere im Bereich Automotive hat die Metropolregion nach Auskunft der beiden Amtskollegen das Zeug, sich im Gefolge der Ansiedlung von Tesla und dem Bekenntnis von Mercedes-Benz zur Region zum Hotspot für die Transformation der Automobilindustrie zu entwickeln. Dabei gründe die Attraktivität der Region sowohl auf der Stärke des Wissenschaftslandschaft (Steinbach: „Wir haben den bayerischen Raum überholt“) als auch auf der ausgeprägten Internationalität der Metropole. Gerade in den stark technologisch geprägten Bereichen gebe es heute einen Arbeitnehmermarkt, so Pop – ein Pfund, mit dem der Standort wuchern könne, denn: „Wir ziehen die Top-Talente an.“ Die starke und mit der Wirtschaft eng vernetzte Wissenschaft, eine blühende Digitalwirtschaft (Pop: „Hier ist es so, als habe es 2020 keine Krise gegeben“) sowie viele innovative „Eigengewächse“ im Bereich Zukunftsmobilität – genannt wurden unter anderen die Unternehmen „Here“ und „Bird“ – bildeten im Zusammenspiel einen fruchtbaren Nährboden für eine erfolgreiche Entwicklung. Beide Ressortchefs rechnen daher auch nach überstandener Pandemie mit einer Fortsetzung des Booms der Vor-Corona-Zeit. Die Perspektive aus der Sicht Prof. Steinbachs: „Moderne Technologien auf Basis erneuerbarer Energien können zu einer völlig anderen wirtschaftlichen Qualität des Ostens Deutschland führen.“ Er rechne damit, als Region in 5 bis 10 Jahren auf Augenhöhe mit Bayern und Baden-Württemberg agieren zu können.
 
Apropos „Erneuerbare Energie“: Nach dem beschlossenen Ausstieg Brandenburgs aus der Braunkohle zeichnen sich neue Chancen für einen gemeinsamen Weg zur Klimaneutralität ab. Zwar stelle das „Phase-out“ aus der Kohlverstromung laut Prof. Steinbach zunächst eine große Herausforderung dar. Er sei aber zuversichtlich, dass die betroffene Lausitz mit Blick auf die Arbeitsplätze auch ohne die Kohle künftig mindestens genauso gut, möglicherweise sogar besser dastehen werde. Mit Blick auf die angestrebte Klimaneutralität seien gemeinsame Projekte – beispielsweise WindNODE – bereits auf den Weg gebracht, beide Minister plädierten aber dafür, insbesondere das Thema Wärme – immerhin 40 Prozent des Energieverbrauchs – stärker in den Blick zu nehmen.
 
Interessantes Ergebnis zum Schluss: Eine Live-Abstimmung unter den Teilnehmern der Veranstaltung brachte ein eindeutiges Ergebnis: 85 Prozent sprachen sich für eine Fusion der beiden Länder aus.
 
Das Gespräch können Sie sich hier nochmals in Gänze anschauen: