Fördern und Fordern

Diskussion über (neue) Wege in den Leistungssport

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Welchen Leistungssport wollen wir für unsere Kinder? Ein hochkarätig besetztes Expertenpanel tauschte beim VBKI Ideen aus.

Nach der Begrüßung durch VBKI-Präsidiumsmitglied Kaweh Niroomand und Hanns Ostermann, 1. Vorsitzender des VdSBB, betonte Andreas Geisel, Senator für Inneres und Sport in Berlin, dass es bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen im Sport darum gehe, junge Menschen in einem geschützten Raum zu unterstützen, „damit sie ihren Platz in unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft finden“. Gleichzeitig wies er auf den Zielkonflikt des Leistungssports hin. Einerseits würde dieser immer wieder durch Dopingfälle erschüttert und auf der anderen Seite fordere man immer höhere Leistungen. Für Geisel sei die zentrale Frage: „Welche Anforderungen wollen wir stellen und was können wir verantworten?“

In der anschließenden Talk-Runde plädierte Henning Harnisch, Vizepräsident Jugend des Basketball-Bundesligaclubs ALBA Berlin, dafür, tradierte Denkmuster aufzubrechen und  forderte eine übergreifende Sportidee, „mit der alle Kinder schon von der Kita in die Schulen kommen“. Gegenwärtig laufe der Weg in den Spitzensport zu häufig über das Prinzip "Zufall", es fehle an einer breiten, systematischen Herangehensweise. „Wir brauchen ein besseres Miteinander von Schul- und Vereinsport“, sagte er. Teilweise wüssten die Schulen gar nicht, welche Vereine in der Nachbarschaft aktiv sind.

Bob Hanning, Manager des Handball-Bundesligisten Füchse Berlin,  verwies darauf, dass es für die Umsetzung solcher Ideen an Trainern mangele. „Wir haben viele Anfragen, ich könnte sofort 20 Trainer gebrauchen, die in die Schulen gehen“, warf er ein. „Doch um eine C-Lizenz zu erwerben, muss ich bis zu 12 Wochenenden investieren. Das können viele einfach nicht leisten. Hier müssen wir flexiblere Strukturen schaffen.“ Außerdem verwies Hanning auf die mangelnde Wertschätzung, die Trainern oftmals entgegengebracht werde.

Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport im DOSB, ging auf die unterschiedlichen Facetten des Sports ein: „Unter den Möglichkeiten und Perspektiven die der Sport bietet, stellt der Leistungssport nur einen Teil dar“, erläuterte er. Dem gegenüber stünden unter anderem der soziale Nutzen und die Prävention, die mit dem Sport einherginge. „Wenn ich Team Deutschland und Medaillen will, dann muss ich auch die Systematik dafür schaffen. Dafür haben wir bereits die Bedingungen an den Eliteschulen des Sports verbessert. Jetzt müssen wir das auch an den allgemeinen Schulen und Kitas schaffen.“

Friedhard Teuffel, leitender Redakteur beim Tagesspiegel, wies auf die Strahlkraft von sportlichen Großereignissen wie die Leichtathletik-EM hin: „Was ihr im Stadion seht, das könnt ihr auch machen. Jeder nach seinen Möglichkeiten.“ Er beschrieb Berlin als eine Stadt, in der jeder Sport machen wolle. Angesichts eines knappen Sportstättenangebots sei es wichtig, den öffentlichen Raum zunehmend als Sportraum zu betrachten, beispielweise durch Parksportkonzepte.

Eingeladen zum Diskussionsforum „Sport.Politik.Berlin. – Impulse aus der Hauptstadt“ hatten der Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB ) und der VBKI. Durch die Diskussion führte Moderatorin Gaby Papenburg. Unterstützt wurde die Veranstaltung von den Partnern des VdSBB bei der Preisverleihung „Das Goldene Band“: dem exklusiven Gesundheitspartner AOK Nordost und der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Text: Marco Dames

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