EKG am Handgelenk

Charité-Chef Prof. Dr. Heyo K. Kroemer beim VBKI Healthcare Lunch

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Digitalisierung und medizinischer Fortschritt – die Medizin im 21. Jahrhundert wird sich innerhalb der nächsten 10 Jahre deutlich verändern. Im Vergleich mit anderen Ländern ist das deutsche Gesundheitswesen allerdings in vielerlei Punkten fragmentiert. Doch wo setzt ein Modernisierungsprozess an?

Diese Frage bildete den Ausgangspunkt eines Healthcare Lunchs, zu dem der VBKI gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Mazars geladen hatte. Impulsgeber des informellen Branchentreffs war Prof. Dr. Heyo K. Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité und moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Harald Hasselmann, Geschäftsführer der Eckert & Ziegler BEBIG GmbH.
 
 
Zum Auftakt gab der Pharmazeut, Pharmakologe und Hochschullehrer ein plastisches Beispiel für den Fortschritt, den der digitale Wandel auch im Gesundheitsbereich ermöglicht. Er legte seinen Finger auf die digitale Krone seiner Smart Watch und maß mithilfe des elektrischen Herzsensors seinen Puls: „Wie hätte man wohl vor zehn Jahren reagiert, wenn einem jemand gesagt hätte, es sei bald an jedem beliebigen Ort möglich, seinen persönliches EKG mittels einer Armbanduhr zu schreiben“, so der Charitè-Chef. Der rasante digitale Fortschritt, so der Mediziner weiter, hätte unter anderem zu einer deutlichen Verringerung der Raum-Zeit-Distanz zwischen Patienten und Arzt geführt, wie beispielsweise an der modernen Telemedizin ablesbar. Heute schon Realität seien beispielsweise EKG-Apps, die dem Nutzer laufend Auskunft über die Kaliumwerte seines Herzens geben und vor einem sich andeutenden Vorhofflimmern warnen. Ebenfalls bereits im Einsatz sind Algorithmen, die – wie beispielsweise in der App „Babyl“ – den Gesundheitszustand von Patienten dauerhaft überwachen, um bei akuter Gefahr automatisch per Videochat eine Verbindung mit einem geeigneten Arzt herzustellen.
 
Doch der medizinische Fortschritt bringt – gerade im digitalen Bereich – auch Herausforderungen für das Gesundheitssystem mit sich. Bislang gelingt es nur unzureichend, das Potenzial des digitalen medizinischen Fortschritts zur Entfaltung zu bringen. Durch eine bessere digitale Vernetzung könnte man laut Kroemer Versorgungslücken, etwa in der Pflege, zumindest teilweise schließen. Abschließend lobte Kroemer, wie China sein Gesundheitssystem reformiert hat und wie das Land mit dem medizinischen Fortschritt insgesamt umgeht. Der Blick nach Osten könnte sich auch für Deutschland lohnen.