Eine Badewanne voller Wasser für den Notfall

Diskussionsrunde über die Gefahren eines Blackouts

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Was ist ein Blackout? Kann es zu diesem Szenario kommen? Kann man sich vorbereiten und was ist im Ernstfall zu tun? In der gemeinsamen Veranstaltung von VBKI und KKI (Kompetenzzentrum Kritische Infrastrukturen GmbH) wurden diese Fragen diskutiert.

Veranstaltern und Panelteilnehmern ging es an diesem Abend in der “Schmiede“ des EUREF-Campus nicht um „Panikmache“ jeglicher Art, sondern darum, das Thema und sinnvolle Vorbereitungsmöglichkeiten stärker ins Bewusstsein zu rücken. Als es kurz nach Gesprächsbeginn schlagartig dunkel wurde, blieb deshalb auch jeder gelassen und freute sich über das gemütliche Ambiente im Licht zahlreicher Kerzen und des lodernden Kaminfeuers!

Gabor Beyer, Moderator der Diskussion und Leiter des AK Intelligente Infrastruktur im VBKI, bat Stephan Boy, Geschäftsführer des KKI, zunächst um eine Begriffsklärung: Ein Blackout ist ein längerer und flächendeckender Stromausfall – bislang in Deutschland extrem selten. Unwahrscheinlich ist ein solcher Ausfall aber keinesfalls. Deutschland sei zwar, so Boy, auf Einzelfälle sehr gut vorbereitet und im Gefahrenfall leistungsfähig. Bei einem breiten Stromausfall seien aber weder die Organisationen noch die Unternehmen oder die breite Bevölkerung vorbereitet. Unternehmen scheuten oftmals die mit der Vorsorge verbundenen Kosten. Gute Vorbereitung ist allerdings bei einem Blackout - mindestens 24 Stunden ohne Stromversorgung - lebenswichtig.

In Berlin sind die Strukturen so ausgelegt, dass Lebensmittel nur für 24 Stunden vorrätig sind. Kein Strom bedeutet auch, dass die Wasser- und Abwasserversorgung schon nach kurzer Zeit nicht mehr funktionieren. Besonders Letzteres sei ein gravierendes Problem für alle größeren Städte, erklärte Thomas Schäfer, Leiter Technik bei der Stromnetz Berlin GmbH. Werktags sind deutschlandweit an die sechs Millionen Menschen in Aufzügen unterwegs – eine große Herausforderung für Rettungskräfte, die im Falle eine Blackouts auch an anderen kritischen Orten gebraucht werden. Zum Glück werde in Berlin der Negativ-Fall regelmäßig geprobt und es gebe ein Konzept, das mittels Heizkraftwerken die Sicherstellung einer Teilversorgung ermögliche, so Schäfer.

Doch was kann der Einzelne tun? Wie kann man sich vorbereiten? Thomas Schäfer hat kein "klassisches Rezept". Vielmehr müsse ein Bewusstseinswandel der gesamten Gesellschaft stattfinden. Jeder trage Verantwortung, wenn der Ernstfall eintrete. Auch Stephan Boy betont, das Thema müsse „enttabuisiert“ werden. Bisher sind in Deutschland nur Krankenhäuser verpflichtet, Notstrom für 24 Stunden zur Verfügung zu haben (wobei das Problem der Wasserversorgung bleibt). Für Privatpersonen ist im Ernstfall schnelles Handeln gefragt: Die Badewanne mit Wasser volllaufen lassen, den Dieselmotor und das Notstromaggregat anwerfen, das batteriebetriebene Autoradio anstellen und den Ofen anwerfen.

Als große Herausforderung nannten beide Experten die Energiewende und die Liberalisierung der Stromnetze. Im Jahresschnitt wird heute schon rund ein Viertel des benötigten Stroms regenerativ erzeugt, zugleich nimmt die zentrale Stromversorgung ab. Die Stromerzeugung wird nicht mehr angepasst an den tatsächlichen Bedarf, sondern ist abhängig von Sonneneinstrahlung und Wind. Dadurch schwankt die Stromproduktion stark, teils innerhalb einer Viertelstunde. Das wiederum macht es den Betreiber von Stromübertragungsnetzen zunehmend schwer, die Netzfrequenz stabil um die 50 Hertz zu halten. Hinzu kommen Störungen des Systems durch Naturereignisse: Extremwetterverhältnisse wie Starkregen, Stürme, Hochwasser. Oder eben technisches und menschliches Versagen, im schlimmsten Fall Kriminalität, Terrorismus, Cyber-Anschläge oder gar der Kriegsfall.

Abschließend motivieren Schäfer und Boy dazu, die Energiewende als einmalige Chance für eine Unabhängigkeit als Industrieland zu nutzen. Dieser Transformationsprozess „mit vielen Playern und weniger Abhängigkeiten“ müsse passieren. Nur so lasse sich, neben der Entkoppelung von Stromerzeugung und -verbrauch, ein verlässliches, steuerbares System (Stichwort „Smart City“) herstellen. Und genau dieser Weg sei noch zu gehen.

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.