Drei Prozent für die Kunst?

Podium diskutiert neue Wege zum Schutz der Berliner Kulturszene

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Foto: Rainer Kurzeder

Das sechste Hauptstadtkulturgespräch machte den Schutz von Kulturräumen zum Thema: Wird die Kunst aus Berlins Mitte verdrängt?

Talent, Toleranz und Technik – laut Richard Florida gründet der Erfolg von Städten auf diesem Dreiklang. Ein spannendes Kulturleben sei Nährboden für neue lebendige Szenen, wodurch Künstler und insbesondere Talente aus dem technologischen Bereich angezogen würden, die diese offene und tolerante Atmosphäre schätzten. Dies hätte zur Folge, das Unternehmen sich an diesen Orten ansiedeln, da dort ein großes Potenzial von Mitarbeitern vorzufinden ist. Unternehmen folgen den Mitarbeitern und nicht umgekehrt, so der US-amerikanische Ökonom, Hochschullehrer und Initiator der Wirtschaftstheorie „Kreative Klasse“.
 
 
Aber was, wenn der Raum für Kunst zunehmend restriktiver und der „kreativen Klasse“ letztendlich der Raum zur Entfaltung genommen wird?
 
Mit dieser Frage beschäftigte sich das 6. Hauptstadtkulturgespräch, das Anfang Januar im Magnus-Haus am Kupfergraben stattfand. In einer Sache war sich das Podium schnell einige: Kunst und Kreativität brauchen Freiraum – auch wenn die Wirtschaft unter Volldampf läuft und Platz beansprucht. „Man müsse Stadträume als Lebensräume begreifen und die Künste bräuchten neue sowie unverbrauchte Orte“, sagte Prof.  Martin Rennert, Präsident der Universität der Künste Berlin. Stimmt in der Theorie, leider sei die Praxis in Berlin heute eine andere, sagte Professor und Architekt Sauerbruch. „Das Geschenk des kreativen Freiraumes gibt es nicht mehr.“
 
Wie lösen? Dr. Stephan Frucht, Leiter des Siemens Arts Program, und Moderator des Abends, schlug vor, 3 Prozent des Neubaus für die Kunst zu reservieren. Denn der Umzug an den Stadtrand sei für Künstler in der Regel keine Option, es gehe vielmehr um das Erleben der Vitalität des Urbanen.
 
Braucht die Kultur mehr Orte, an denen Kunst sich konzentriert und für ein breites Publikum erlebbar wird? Die Künstlerin Katharina Sieverding gab zu Bedenken, dass seit der MoMa-Ausstellung im Jahr 2004 Blockbuster-Ausstellung in Berlin eher rar gesät gewesen seien. Solche Anziehungspunkte, so Sieverding weiter, würden dazu beitragen, immer wieder neue Impulse zu setzen und Bedeutung und Wert der Kunst in der Breite zu vermitteln.
 
Auch wenn auf dem Podium Vertreter der Kreativwirtschaft fehlten, wurden auch Plädoyers für einen Schutz der Clubszene und der Kinos gehalten. Die Kultur müsse als kreativer Nährboden der Stadt erhalten werden, sagte Prof. Sauerbruch.