Dicke Luft

Der Diesel ist tot, es lebe der Diesel

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Der Dieselmotor ist in Verruf geraten. Im Mittelpunkt eines seit geraumer Zeit und mit Inbrunst ausgetragenen Streits zwischen Politik, Autobranche, Umwelt- und Verbraucherschützern steht vor allem die Frage, wie sehr Dieselabgase die Gesundheit belasten. An einige Orten im Land wird der in Deutschland gültige Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel überschritten, Fahrverbote oder Tempo 30 Zonen sind vielerorts die Folge.

Nur: Ist es sachlich richtig, den Diesel derart an den Pranger zu stellen? Wie belastbar sind die Daten und Fakten, auf deren Grundlage die gesundheitsschädliche Wirkung der Diesel-Abgase berechnet wird? Wie kommen die Grenzwerte zustande? Und: Ist der Selbstzünder aufgrund seines in der Regel geringeren Verbrauchs nicht viel klimafreundlicher als jeder Benziner?
 
In seinem Impulsvortrag kritisierte Prof. Dr. Rudolf Jörres, LMU München, die Datenbasis, mit der die gesundheitsschädliche Wirkung insbesondere des Stickstoffausstoßes begründet wird. Problem sei insbesondere, dass die entsprechenden Studien methodisch auf Korrelationen beruhten. Der Nachweis direkter Ursache-Wirkung-Beziehungen sei so nicht erbracht. Prof. Jörres sprach mit Blick auf diese Arbeiten von „multiplen Fehlermöglichkeiten“, die Festlegung von Grenzwerten sei auf dieser wackeligen Grundlage weitgehend willkürlich. Das zeige auch der Blick in die USA. Während hierzulande im Jahresmittel 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter als Grenzwert gelten, gälten dort 100 Mikrogramm als vertretbar.
 
Belastbarer ist laut Prof. Jörres hingegen der Zusammenhang zwischen Feinstaub und Sterblichkeit, allerdings komme es hier auf die Größe der Partikel an – je kleiner, desto gesundheitsgefährdender.
 
Dr. Roland Bänsch, Geschäftsführender Gesellschafter Con Traffic GmbH und Moderator des Abends, kritisierte vor diesem Hintergrund die pauschale „Jagd auf den Diesel“. Angesichts der dünnen Datenlage sei der Abgesang auf die Dieseltechnologie nur schwer nachzuvollziehen, zumal tausende von Arbeitsplätzen in Deutschland an dieser Antriebstechnik hingen.