Zwei Minuten für die Steuererklärung

Estland auf der digitalen Überholspur

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Das Land ist klein, in Sachen Digitalisierung aber ein Riese: Nirgendwo sonst auf der Welt lassen sich so viele To-do’s aus dem Alltag per Smartphone regeln. Vorbild für Deutschland?

Mit drei Beispielen machte der Referent dieses Foreign Policy Lunches, der deutsche Botschafter in Estland Christoph Eichhorn, deutlich, wie sehr die Digitalisierung Einzug in den estnischen Alltag gehalten hat.  Erstens: Ein Este braucht durchschnittlich 2 Minuten für seine digitale Steuererklärung, nach 10 Tagen ist der Bescheid da und nach weiteren 10 die Rückerstattung. Zweitens: Das Arztrezept muss im Urlaub nicht vom blumengießenden Nachbarn nachgeschickt werden, sondern ist per digitaler Krankenkassenkarte überall verfügbar. Und drittens: Wer sich ein neues Auto zulegen will, kann den gesamten Prozess – von der Konfiguration, über die Bezahlung bis zur Nummernschildbestellung – vom heimischen Rechner aus erledigen.
 
Deutschland kann laut Botschafter Eichhorn vom 1,3 Millionen-Millionen-Einwohner-Land viel lernen – nicht nur in Sachen digitaler Infrastruktur oder bei der Technologie, sondern vor allem auch beim Mindset. Fortschritt ist eben auch eine Frage der Einstellung. Ein Beispiel: In Estland nutzen 99 Prozent das Online Banking – in Deutschland rund die Hälfte aller Bürger.

Lichtjahre voraus ist Estland, wenn es um das Thema „Digitale Verwaltung“ geht – davon zeugen nicht nur die oben genannten Beispiele. Eine digitale Steuererklärung oder digitale Pkw-Zulassungsverfahren sind eben nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch der wirtschaftlichen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. 415 Milliarden Euro blasen die Staaten der EU jährlich dadurch in den Wind, dass sie an analogen Prozessen festhalten – etwa bei Unternehmensanmeldungen oder Baugenehmigungen. Oder, wie Michael Ropers, Vorsitzender des Ausschusses Internationale Politik und Wirtschaft, zusammenfasste: Deutschland sucht immer das Gesamtkonzept, vielleicht müsse man auch einfach mal irgendwo konkret anfangen.

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