Silbertablett und Sachkarriere

Podiumsdiskussion: Wie tickt die Generation Z?

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Die Generation Z bezeichnet die Jahrgänge, die um die Jahrtausendwende geboren wurden. Ihre Mitglieder sind komplett als „Digital Natives“ aufgewachsen, Smartphone und Tablet lagen quasi an der Wiege bereit. Wie tickt diese Generation, was treibt sie an?

Vor rund 60 Freunden und Mitgliedern des VBKI arbeitete der Soziologe Lorenz Schlotte unter Verweis auf eine aktuelle Studie die Konturen der Z-ter heraus. Demnach orientiert sich die Generation in ihrer Lebensplanung weniger an Karriere und Gehalt, sondern legt großen Wert auf die Faktoren Familie und Freizeit. Möglicher Grund: In einer extrem schnelllebigen Welt fällt es dem Einzelnen zunehmen schwer, die eigene Biografie selbstbestimmt zu planen.

Auch auf das Berufsleben wirkt sich diese Haltung aus: Im Gegensatz zur Vorgängergeneration Y geht Variante Z mit einer deutlich höheren Anspruchshaltung in den ersten Job. Sie äußere Ansprüche an Umfeld und Arbeitgeber, bevor sie selbst Leistung abliefere, so Schlotter. Hieraus ergeben sich wiederum neue Herausforderungen für Unternehmen, insbesondere für Führungskräfte und Personaler, die den Nachwuchs gewinnen und im Unternehmen halten wollen.

Mit dieser und weiteren Fragestellungen setzte sich dann auch das Podium im engen Austausch mit dem Publikum auseinander: Der Soziologe Prof. Klaus Hurrelmann, BVG-Chefin Dr. Sigrid Evelyn Nikutta und die Moderatorin Katharina Heuer. Hurrelmann beschreibt die Generation Z vor dem Hintergrund seiner Forschung als „verwöhnte Generation“, die von den Eltern „alles auf dem Silbertablett serviert bekommen“ habe und es gewöhnt sei, „gefeiert zu werden“. Anders als die Generationen vor der Wende, allen voran die der „Baby Boomer“ und der „Generation Y“ (Jahrgänge 1980 – frühe 1990er), wolle die G.Z von Anfang an mitbestimmen.

Diese Haltung fällt auch Dr. Nikutta verstärkt auf. Die Hälfte der BVG-Belegschaft gehöre noch der Baby-Boomer-Generation an. Generell falle es einer Generation nicht leicht, mit den Ansprüchen der jeweils folgenden klar zu kommen, so die BVG-Chefin. Auffällig sei: „Die heutigen Azubis gehen zwar in das System mit rein und akzeptieren es, hinterfragen und diskutieren es jedoch stärker, als wir selbst es getan haben.“ Azubis als gleichberechtigte Mitarbeiter zu verstehen und damit im Betrieb zu halten sei daher die große Herausforderung und setze einen nicht zu unterschätzenden Veränderungsprozess in den Unternehmen voraus. Klarer Vorteil der jungen Generation sei in jedem Fall deren zumeist sehr gute Ausbildung und zielorientiertes Arbeiten.

Die Herausforderung sieht auch Hurrelmann in den veränderten Anforderungen an das Anwerben des Nachwuchses, gerade weil Karriere nicht mehr im Mittelpunkt stünde. Die G.Z wolle „nicht mehr 24/7 erreichbar sein, das ist eher abschreckend“. Diese jungen Menschen, denen Freiheit sehr wichtig sei, dann noch im Unternehmen zu halten, sei die nächste Schwierigkeit. Und es gehe nicht mehr vorrangig um das Erreichen der nächsten Karrierestufe oder „Boss zu sein“ - die natürlich auch mehr Verantwortung bedeutet – sondern um inhaltliche Erfüllung im Job, also eher eine „Sachkarriere“. Das bestätigt auch Frau Dr. Nikutta: Heute müsse sich jede - und nicht erst jede zweite - Karrierestufe rechnen. Jeder Positionswechsel wird genau abgewogen und oft nicht nur von den Karrierechancen abhängig gemacht, sondern beispielsweise auch von den Kollegen und dem Team.