Qualifizierung 2030

Qualifizierte Fachkräfte in und für Berlin

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Foto: VBKI, Photographer: Rainer Christian Kurzeder

Mit rund 70 Gästen aus Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft diskutierten am 14. Januar Sozialsenatorin Elke Breitenbach gemeinsam mit hochkarätigen Referenten die Herausforderungen für ein Berliner Bildungssystem der Zukunft.

Dr. Dieter Dohmen, Direktor des FiBS Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie präsentierte anhand nüchterner Zahlen die kommenden Anforderungen unserer Hauptstadt. Ein dynamisches Bevölkerungswachstum Berlins wird dafür sorgen, dass wir bereits 2030 in Berlin offiziell rund 4,1 Millionen Einwohner. Nach Umfrageergebnissen der IHK Berlin werden im selben Zuge der Berliner Wirtschaft rund 200.000 beruflich Qualifizierte und weitere 43.000 akademisch qualifizierte Menschen fehlen. Und ohne Zuwanderung sind solche Herausforderungen nicht zu stemmen.
 
Darüber hinaus klaffen die sogenannten „Plankapazitäten“ zur Qualifizierung geeignetem Lehrpersonals gegenüber den tatsächlichen Bedarfen weit auseinander. Prognosen zufolge werden 2030 rund 14.000 Lehrerinnen und Lehrer in den Klassenstufen 1-10 fehlen. Weitere Herausforderung ist für Berlin eine bislang unzureichende Beteiligung an passenden Fort- und Weiterbildungen. Berlin hat bislang im Ländervergleich die zweitniedrigste Beteiligungsquote an Weiterbildungen überhaupt.
 
Mit Blick auf die Zukunft betont der Innovations- und Zukunftsforscher Prof. Ingo Rollwagen die neuen Kompetenzanforderungen von Morgen, z.B. den souveränen Umgang mit Daten aller Art - eng verbunden mit der hohen Innovationskraft unseres Standortes.
 
Die Berliner Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales Elke Breitenbach wünscht sich beim Blick in die „Glaskugel‘“ eine stärkere Beteiligung der Berliner Wirtschaft, Ausbildungsplätze und Praktikumsplätze zur Verfügung zu stellen. Die Zukunft brauche qualitativ hochwertige Ausbildungsgänge, beruflich wie auch akademisch. Sie stellt heraus, dass das „System Schule“ nicht mehr so funktioniere wie bisher, weil noch immer Schülerinnen und Schüler aufgefordert sind, sich vor allem anzupassen anstatt dessen umgekehrt auch das Schulsystem stärker auf die Bedarfe der Schülerinnen und Schüler eingeht. Gleichzeitig bricht die Senatorin eine große Lanze für die berufliche Bildung. „Berufliche Bildung ist keine Ausbildung für Looser der Gesellschaft“, so Breitenbach. Trotzdem belieben zu viele Ausbildungsplätze unbesetzt.
 
Henning Banthien, Vorsitzender des VBKI Ausschusses Wissenschaft und Bildung stellt vor dem Hintergrund Tausender unbesetzter Ausbildungsplätze heraus, wie wichtig es zukünftig werden wird, dass Matching zwischen Betrieb und Ausbildungssuchenden zu verbessern. Er fordert hierfür Schnelligkeit, kurze Wege und die Bereitschaft sich auf das Lebensgefühl und Denken der jungen Generation einzulassen – die Digitalisierung wird dafür sorgen, dass betriebliche Strukturen mit tradierten Akquise- und Einstellungsverfahren zukünftig nicht mehr existieren. „Wir müssen in neuen Modi denken!“, so Banthien.