Lieber zum Zahnarzt als zum Bankberater?

VBKI diskutiert über die Finanzwelt von morgen

IMG 0499?itok=ZeBZJD-e
Foto: Lukas Breitenbach

Ist die Bank von nebenan bald ein Fall fürs Geschichtsbuch? Laufen ihr die FinTechs den Rang ab? Unter der Überschrift „FinTechs auf der Überholspur“ diskutieren Vertreter der alten und neuen Finanzwelt über die Zukunft der Branche.

Klar dürfte sein: Der Umbruch macht vor den Toren altehrwürdiger Bankhäuser nicht halt. Filialen werden geschlossen, immer mehr Finanzgeschäfte wandern ins Netz ab. Der digitale Wandel zwingt die Platzhirsche zum umdenken – und umsteuern. Dabei müsse man von den FinTechs lernen, meint Dr. Johannes Evers. Der Chef der Berliner Sparkasse betrachtet die digitalen Anbieter von Finanzdienstleistungen weniger als Konkurrenz, denn als – naja - Inspirationsquelle. Sein Ziel sei es, funktionierende Geschäftsmodelle für das eigene Haus zu nutzen: „Lieber gut kopiert, als selbst schlecht gemacht“.

Flexibilität und Innovationskraft vs. Kundenstamm und Marken-Power
Moderiert von Dr. Guido Sandler, Vorstand Bergfürst AG, entspann sich vor gut gefüllten Rängen eine rege Diskussion über die Zukunft des Finanzgeschäfts. Eine steile These: Die Leute gehen lieber zum Zahnarzt als zum Bankberater. Fintechs, da war sich das Panel einig, punkten bei Flexibilität, Innovationsdynamik und Kundenfokus. Klassische Banken haben den digitalen Newcomern dagegen einen gewachsenen und im Falle der Sparkassen großen (40 Millionen) Kundenstamm voraus. Ähnliches gilt für den Bekanntheitsgrad und die Ausstrahlung der Brands – ein nicht unwichtiges Asset, gerade in einem Geschäft, das von Vertrauen lebt. Also beste Voraussetzungen, um auch im digitalen Zeitalter die Nase vorn zu haben?

Bremst die Furcht vor dem Regulator?
Ramin Niroumand ist skeptisch. Konzerne seien einfach nicht die richtigen Organisationsformen für Veränderung, findet der Co-Founder und Managing Partner des Company Builders FinLeap. Dr. Kyros Khadjavi, Geschäftsführer des digitalen Family Office LIQID, stößt in dasselbe Horn: „Die klassischen Banken haben viel zu ängstliche Vorstände, die alle fürchten, vom Regulator in den Knast geschickt zu werden.“ Das will der Vertreter der Sparkasse nicht auf sich sitzen lassen. Man habe längst einen Kulturwandel eingeleitet, sagt Dr. Evers und verweist auf den hauseigenen Inkubator „Birds Nest“. Mit den Themen „Vertrauen“ und „Sicherheit im Netz“ werde man auch in Zukunft punkten.

Enabler statt Totengräber
Also, wohin geht die Reise? Für Miriam Wohlfarth, Geschäftsführerin und Gründerin des digitalen Ratenkreditanbieters RatePAY, sind Fintechs weniger die Totengräber der klassischen Bankenwelt, sondern vielmehr „Enabler“, von denen auch die bisherigen Platzhirsche auf ihrem Weg in die Zukunft profitieren könnten. Radikal vom Kunden her zu denken sei etwas, was die FinTechs den Banken mit auf den Weg geben könnten, ergänzte Dr. Khadjavi. Und dass die letzte Stunde des herkömmlichen Bankgeschäfts noch nicht geschlagen hat, machte Jonas Piela deutlich: Wenn er ein Darlehen bräuchte, würde er zur Sparkasse gehen, gestand der Geschäftsführer des FinTechs Avuba.

Bilder der Diskussion finden Sie hier...