Eine Chance für die Gesundheit

Podiumsdiskussion mit Start-ups zu „Digital Health“

20160704 VBKI Politik u Wirtschaft Digitale Gesundheitswelt 129 BF Inga Haar web?itok=JvYkQvyJ
Foto: Businessfotografie Inga Haar

Berlin, ein Start-up-Zentrum Europas. Auf dem Podium „Digital Health“ stellen sich vier digitale Gesundheits-Start-ups aus Berlin vor.

Rolf Dieter Müller, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheitspolitik im VBKI, begrüßte rund 80 Teilnehmer im Goldberger Saal, die sich für "Digital Health" interessierten. Müller betonte, wie wichtig es sei, die „Digitalisierung als Chance zu begreifen“, die neue Wege zur Problemlösung beispielsweise im Versorgungsbereich liefere. Ziel sei dabei, die gesetzlichen Strukturen so zu gestalten, dass Gesundheits-Start-ups nach Berlin kommen und sich auch auf lange Sicht hier niederlassen – und das mit Erfolg.

Die Moderation hatte Dr. Gottfried Ludewig, Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, übernommen. Ludewig gehört zu den Vorreitern beim Thema Digitalisierung in der Gesundheitspolitik.

Die Pitches gaben einen vielfältigen Einblick in die Branche: Neben Ekaterina Karabasheva, Geschäftsführerin der Jourvie gUG, einer App, die wie ein Tagebuch für Essstörungen genutzt werden kann, stellten Dr. Emil Kendziorra, Gründer und Geschäftsführer der Medlanes GmbH (fachärztliche Online-Beratung und -Behandlung), Dr. Felix Cornelius, Geschäftsführer der Evivecare GmbH (Online-Sprachtherapie für Schlaganfallpatienten) und Dr. Christian Krey, Geschäftsführer der Emperra GmbH (digitales Messgerät zur ganzheitlichen Diabetes-Therapie) ihr Projekt und die dahinterstehenden Ideen vor. Außerdem hatte jeder Gründer die Möglichkeit, seinen „Wunsch an die Politik“ zu erläutern. Hier wurde insbesondere auf die Problematik der unübersichtlichen bzw. uneinheitlichen Regelungen hinsichtlich Marktvorgaben und Markzugang hingewiesen, ebenso wie auf die nötige stärkere Vereinheitlichung des Datenschutzes. Ein weiterer Knackpunkt für Gründer im Digital Health-Bereich: Oftmals sei ungeklärt, wer in Deutschland die Kosten der medizinischen Versorgung zu tragen habe, zumal Patienten systembedingt nicht gewohnt seien, selbst zu zahlen.

In der anschließenden Diskussion stellte sich Oliver Schenk, Abteilungsleiter Grundsatzfragen im Bundesministerium für Gesundheit, den Wünschen und Fragen der Start-up-Vertreter und diskutierte mit ihnen, Dr. Ludewig und dem Publikum die Frage, welche Veränderungen der Regulierung in Deutschland notwendig seien, um für die Gründer der Branche auch international attraktiv zu sein. Die große Herausforderung dabei, das wird schnell deutlich, liegt darin, die bestehenden Innovationen und dynamischen Entwicklungen ins bestehende System zu integrieren. Diese Rahmenbedingungen müssen von der Politik geschaffen werden, darin sind sich Oliver Schenk und die Start-up-Vertreter einig. Erste sinnvolle Weichen wurden durch das e-Health-Gesetzt 2015 gestellt; nun gelte es, das Gesetz entsprechend der Dynamik des Marktes weiter zu entwickeln und zu aktualisieren. Und: Über die nationalen Kompetenzen hinaus spiele auch die Interoperabilität mit Europa eine immer wichtigere Rolle.

Als Fazit kann das Plädoyer sämtlicher an diesem Abend vertretenen Gründer genannt werden, die sich für eine „Kultur des Ausprobierens“ stark machten.

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