Damit aus Verloren kein Verlust wird

Das Berliner Start-Up „Reachtag“ beim Unternehmertreffen

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Foto: VBKI

Smartphone, Laptop, Geldbörse oder jegliche andere Wertgegenstände, die dem Eigentümer am Herzen liegen und auf unerklärliche Weise verschwinden, können mittels „Reachtag“ wieder gefunden werden. Doch wie genau geht das von statten?

Benjamin Gareis ist CEO und Gründer von dem Berliner Start-Up „Reachtag“ und gewährte beim Lunch im Boutique Hotel i31 Berlin den Gästen einen Einblick in sein Geschäftsmodell. Eine Idee, mit der er sogar ein Stipendium erhielt und mit der Technischen Universität auf der Internationalen Funkausstellung zusammengearbeitet hat. Mit seinen Kollegen hat Gareis eine Lösung gegen Verlust entwickelt und zwar nicht nur für die Privatperson, sondern auch für Unternehmen. Moderiert wurde diese Veranstaltung von Darya Horn, Mitglied im Ausschuss für Junge Fach- und Führungskräfte, CIO Advisory bei der KPMG AG.
 
 
 
„Reachtag“ funktioniert wie eine vertrauliche anonyme Zwischenstelle innerhalb Finder und Verlierer. Der Eigentümer erwirbt bei „Reachtag“ einen sogenannten „Tag“, ein unscheinbarer und unauffälliger Aufkleber, mit dem der Eigentümer seinen Gegenstand bekleben kann und dadurch anonym erreichbar wird. Die Kosten sind bei einem Jahresabonnement von 11,99 Euro im ersten und 8,99 Euro im Folgejahr vergleichsweise gering. Auf diesem Aufkleber befindet sich eine separat eingerichtete Handynummer von „Reachtag“, wobei der Finder beim Anrufen gebeten wird die auf dem Tag stehende ID-Nummer in das Handydisplay einzutippen. Im Anschluss wird der verlorene Gegenstand verifiziert und der Eigentümer erhält einen Anruf mit der ihm bereits bekannten Reachtaghandynummer. „Uns war es hierbei sehr wichtig, dass die Nummer einen Wiedererkennungswert hat, denn erfahrungsgemäß gehen Menschen bei unbekannter Nummer nicht ans Telefon“, so CEO Gareis. Der Vorteil mittels dieser Methode ist es, dass zum Einen kein Internet benötigt und zum anderen der Weg der Kontaktaufnahme so simpel wie möglich gehalten wird. Es bedarf keinerlei Akkus oder sonstiger elektronischer Verbindung um den Aufkleber (Tag) zu schützen, zu pflegen oder erkennbar zu lassen. Hingegen bei den derzeitigen Wettbewerbsprodukten ein ständiges GPS-Signal notwendig ist oder die Kontaktaufnahme zu viel Zeit beansprucht und der Eigentümer den Gegenstand dann möglicherweise bereits ersetzt hat, wodurch folglich mehr Kosten entstehen.

Mit seiner Idee hat Benjamin Gareis etwas zeitgemäßes entwickelt, um den langen Wartezeiten bei beispielsweise einem Fundbüro entgegenzuwirken und es dem Finder zu erleichtern den verlorenen Gegenstand zurückzubringen - mit so wenig Aufwand wie möglich. Und es funktioniert: Bei einem Testlauf, wo das Unternehmen unterschiedliche Gegenstände bewusst auf die Straße legte, erzielten sie eine Rückgabequote von 95 Prozent.

Seit geraumer Zeit ist das Start-Up im Handelsregister eingetragen und strebt an, neben den bereits 8 verschiedenen existierenden „Tags“, in Zukunft eine funktionale und bedeutende Rolle bei diversen Unternehmen einzunehmen, um hierbei die Opportunitätskosten gering zu halten. Denn Versicherungen decken nur den Gerätewert und nicht die Neubeschaffungskosten, verlorenen Daten oder Arbeitszeiten. Und die unterschiedlichen „Tags“ können sich auch Studenten leisten. Darüber hinaus entwickelt das Unternehmen derzeit auch „Tags“ für den menschlichen Körper, um im Falle eines Unfalls die betroffene Person identifizieren zu können. Sofern diese Person keinerlei Papiere oder Dokumente zum Ausweisen bei sich trägt. Allerdings bedarf es bei solcher sensiblen Thematik reichlich Klärung bezüglich der Privatsphäre und des Datenschutzes.