Pack die Badehose ein

Drittes Hauptstadtkulturgespräch macht das Projekt „Flussbad“ zum Thema

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Foto: Stiftung Brandenburger Tor, Fotos: Elke Jung-Wolff

Seit über 100 Jahren fristet der Spreekanal zwischen Fischerinsel und Museumsinsel ein Mauerblümchendasein, seit 20 Jahren steht ein Projekt im Raum, das diesen Zustand ändern will: „Flussbad Berlin e.V.“

Wer würde nicht gern einmal an der Museumsinsel vorbeischwimmen oder seine Füße vis-à-vis des Humboldt Forum ins Spreewasser halten? Das dritte Hauptstadtkulturgespräch machte eine Idee zum Thema, die seit Jahren hohe Wellen schlägt: der Spreekanal zwischen Fischerinsel und Museumsinsel soll sich in ein öffentliches Flussbad verwandeln. Treibende Kraft hinter diesem Projekt ist der Verein „Flussbad Berlin“. Stand der Initiative: Die Gespräche mit der Stadt und weiteren beteiligten Institutionen sind inzwischen so weit vorangeschritten, dass eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben wurde und nun alle darauf warten, was realisierbar ist und wie das Prüfungsergebnis des Denkmalschutzes aussieht.

In der Diskussion wurde deutlich, dass es bei dem Projekt mitnichten nur ums Badevergnügen geht – darauf machte die Leiterin des Projekts „Louvre Plage“, Cathy Losson, aufmerksam: Kann das Flussbad als Motor für eine zeitgenössische und auch gesellschaftlich wichtige Entwicklung des Gebietes im Zentrum Berlins sein?  Wie passt es zur Stadt? Wie soll Mitte in Zukunft aussehen? Diese und andere stadtplanerische und gesellschaftliche Fragen bestimmten dann auch die nachfolgende Diskussion.

Die Moderatorin des Abends, Prof. Dr. Gabi Dolff-Bonekämper vom Institut für Stadt- und Regionalplanung der TU Berlin, brachte ihr Verständnis für beide Seiten der Kontroverse zum Ausdruck, indem sie sowohl ihre Schwimmbrille als auch ihre Jahreskarte für die Berliner Museen auf den Tisch legte. Auch UNESCO-Vertreter Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba griff die gesamte Argumentationsspanne der Debatte auf: Als Weltkulturerbe sei die Museumsinsel per se besonders schützenswert und gegen eine mögliche „Mediterraneisierung der Innenstädte“ zu verteidigen. Andererseits bedeute der Status „Weltkulturerbe“ nicht, sterile Stätten der Hochkultur zu errichten. Es gehe vielmehr um eine sorgsame und sensible Integration in eine lebendige Stadtgesellschaft.

Können sich durch das Flussbad die Gebrauchsformen der Stadt verändern? Werden die Jugendlichen aus Wedding auch kommen, um Schwimmen zu gehen oder nur die Touristen dieses zusätzliche Highlight in Anspruch nehmen? Das Podium war sehr dafür, es einmal auszuprobieren, zeigte sich mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit des Projekts aber auch durchaus kritisch. Besonders Soziologe Prof. Dr. Harald Welzer, FUTURZWEI Stiftung Zukunftsfähigkeit, machte aus seiner Skepsis keinen Hehl: „Das kann in die Badehose gehen.“

Einige Bilder der Veranstaltung finden Sie hier >>

Die Hauptstadtkulturgespräche:
Gemeinsam mit der Gesellschaft der Freunde der Akademie der Künste, der Stiftung Brandenburger Tor und mit Unterstützung von Mercedes Benz Berlin haben wir uns zusammengeschlossen, um Kulturthemen der Hauptstadt in den Blick zu nehmen. Dies ist das erklärte Ziel des Hauptstadtkulturgesprächs, welches wir gemeinsam mit den diesen Partnern aus Kultur und Wirtschaft initiiert haben und regelmäßig an zentralen Orten mit Kulturnähe durchführen werden.