Kongressstandort Berlin: Kleiner Würfel statt großer Wurf

Ein Kommentar von VBKI-Geschäftsführer Udo Marin

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Foto: VBKI

Der Kongressstandort Berlin läuft Gefahr, dauerhaft Schaden zu nehmen. Wir sind auf dem besten Wege, von unseren Mitbewerbern im In- und Ausland abgehängt zu werden.

Denn: Die durch den Wegfall des ICC gerissene Angebotslücke ist durch den sogenannten City Cube nicht ansatzweise geschlossen worden – auch weil der Betreiber die Flächen im „Würfel“ vorzugsweise für Messeveranstaltungen beansprucht. Die Konsequenz: Die Veranstalter schauen sich nach anderen Tagungsorten um, Einnahmen aus dem Kongressgeschäft brechen weg. Weiterer Profilverlust ist nur durch die schnelle Bereitstellung ausreichender Kongresskapazitäten, die modernen Ansprüchen genügen, zu verhindern.

Leider scheint genau dafür der politische Wille nicht vorhanden zu sein: Mit dem jüngsten Senatsbeschluss zur Teilsanierung des ICC hat die Politik eine große Chance vertan. Das Vorhaben greift bestenfalls zu kurz und kann sich schlimmstenfalls als kontraproduktiv erweisen: Zum einen verstellen die Pläne den Blick auf das eigentliche Problem – ein weiterhin fehlendes, an der langfristigen Nachfrage orientiertes Konzept für das Kongressgeschäft in Berlin. Zum anderen stehen die eingesetzten Mittel Projekten mit marktgerechter Zukunftsperspektive nicht mehr zur Verfügung.

An der Nachfrage vorbei investiert

Mit seinem Sanierungsbeschluss investiert der Senat an der Nachfrage vorbei. Zurück in die Zukunft – das geht bekanntlich nur im Film. Man hat den Eindruck, hier soll rechtzeitig vor den Berlin-Wahlen ein Schlussstrich unter eine unerwünschte Debatte gezogen werden. Wem der Standort Berlin am Herzen liegt, kann diese kleine bis kleinmütige Lösung nur bedauern. Den Anforderungen einer wachsenden Stadt und dem großen Potenzial des Kongressstandorts Berlin wird dieser Beschluss jedenfalls nicht gerecht. Ein großer Wurf sieht anders aus.

Wenn Berlin künftig in der Top-Liga der großen Kongressstädte mitspielen will, muss es jetzt entsprechende Kapazitäten schaffen. Die Sanierung des ICC kommt – wenn sie denn im Jahr 2022 mal abgeschlossen ist – viel zu spät. Selbst wenn das ICC seine Tore früher öffnete, wäre das Problem nicht gelöst: Das ICC ist hoffnungslos  überaltert und genügt modernen Bedürfnissen – etwa nach multiflexiblen Kubaturen mit optimaler Raumausnutzung –  nicht. Ein Neubau wäre daher die adäquate Antwort gewesen. Zentral gelegene Flächen mit guter Verkehrsanbindung – sei es in Tempelhof oder messenah – gibt es ausreichend.

Keine Kraft zum Doppelschlag

Barcelona und Wien haben sich zu führenden Kongressstädten in Europa entwickelt, weil der politische Wille vorhanden war und entsprechende Investitionen ausgelöst hat. Berlin hat mindestens ebenso viel Potenzial. Es wird nicht voll ausgeschöpft werden. Denn die Kraft zum Doppelschlag – Neubau Kongresszentrum und Abriss des ICC – hat der Senat nicht aufgebracht.