Jenseits der Klischees

Afrikanische Perpektiven: Lunch mit Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

In der allgemeinen Wahrnehmung des Westens ist Afrika häufig noch der exotische, fremde und vor allem problembehaftete Kontinent. In der medialen Öffentlichkeit, zumal in Deutschland, spielt der Erdteil eine untergeordnete Rolle, in der Regel machen Katastrophenmeldungen die Schlagzeilen.

Beim Foreign Policy Lunch korrigierte der gebürtige Äthiopier, Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate, das klischeebeladene Bild und sorge für ein wenig Aufklärung. In seiner Bestandsaufnahme arbeitete der Autor, Unternehmensberater und politischer Analyst vor allem die Chancen einer stärkeren Zusammenarbeit zwischen Europa und den afrikanischen Ländern heraus. Zu den fortschrittlichsten Ländern, mit denen eine intensivere Zusammenarbeit sinnvoll sei, zählte er Botswana, Ghana, Elfenbeinküste und perspektivisch auch Äthiopien. Hohes Wirtschaftswachstum von bis zu 25 Prozent kennzeichnen diese Ländergruppe, allerdings ohne breite Schichten der Bevölkerung zu erreichen.
 
Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate plädierte für eine gemeinsame europäische Afrika-Politik, die stärker als bisher auf die Einhaltung von good governance drängen müsse. Mehr Teilhabe der Bevölkerung, sowohl wirtschaftlich als auch politisch, sei eine wichtige Voraussetzung, um die Lage auf dem afrikanischen Kontinent zu stabilisieren. Das Bevölkerungswachstum schreite weiter rasant voran, bald seien ein Viertel der Weltbevölkerung Afrikaner – der Anteil der Europäer hingegen schrumpfe.
 
Schon um den Migrationsdruck zu senken, sollten sich die europäischen Staaten Afrika stärker zuzuwenden. Aspekte einer sinnvollen entwicklungspolitischen Unterstützung sind dem Analysten zufolge das Mikrokreditwesen und eine stärkere Frauenförderung. Vorbild bei letztem Punkt sei Ruanda, wo bereits heute mehr als die Hälfte der Kabinettsmitglieder weiblichen Geschlechts sind.