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Diskussionsrunde: Breitbandausbau - Happyend nach langjährigem Trauerspiel?

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Was wie eine Liedzeile aus dem Hit „MfG“ der Hip-Hop-Band „Die Fantastischen Vier“ klingt, waren die Stichworte bei der Veranstaltung „Endlich drin?“. Thema war der Breitbandausbau in Deutschland und Berlin sowie die Frage, ob das langjährige Trauerspiel noch ein Happyend finden könne.

Bevor Dietmar Schickel, Mitglied im VBKI-Ausschuss für Intelligente Infrastruktur und kundiger wie engagierter Moderator des Abends, seine hochkarätigen Gäste vorstellen konnte, schilderte Andreas Windolph vom TÜV Rheinland die aktuelle Situation des Glasfaserausbaus in Deutschland, Europa und der Welt. Eine Prognose stellte er seiner Standortbestimmung voran, nämlich, dass der Bedarf an schnellem Internet steigen wird. Für einen ausgewiesenen Industrie- und Wirtschaftsstandort wie Deutschland gilt das umso mehr, möchte man ergänzen.
 
Ulrich Lange, Mitglied des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur im Deutschen Bundestag, ordnete die Situation – Deutschland nur im hinteren europäischen Mittelfeld, was den Breitbandausbau angeht – historisch ein. Er konzedierte der Politik Fehler und Versäumnisse in den letzten beiden Jahrzehnten, verwies aber auch darauf, dass diese Fehler nun korrigiert werden.
 
René Obermann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom, unterstrich, dass die politische Vorgabe – Anschlüsse überall in Deutschland zum gleichen Preis – wirtschaftlich nicht zu machen war und sei. In der Zwischenzeit – und dies betonten alle Diskutanten – gäbe es ein weiteres Problem: Fehlende Planungs- und Ausbaukapazitäten. Dies sei ein Grund, warum ein Unternehmen wie E.ON sich im Breitbandausbau betätige. Als Infrastrukturunternehmen, wenn auch vorrangig als Energieversorger, verstehe EON, so Jörn Schoof, Head of Broadband, etwas vom Tiefbau, eine grundlegende Bedingung für den Breitbandausbau. Und so wie EON über Umwege zum digitalen Infrastrukturversorger wurde, so wurde es auch die degewo. Ulrich Jursch, Geschäftsführer des Unternehmens, verwies auf den Ausbau eigener Netze in den Immobilien der degewo. Mieter stellten längst den Anspruch nach guter digitaler Infrastruktur zu guten Preisen.
 
Eine gute digitale Infrastruktur, die auch in Zukunft leistungsfähig sein sollte, wird aus Glasfaser sein, so die Übereinstimmung aller. Dass es dies nicht umsonst geben würde, auch darin waren alle Beteiligten einer Meinung. Ein 5G-Netz für den Mobilfunk bedürfe einer digitalen Infrastruktur, die auf Glasfaser aufgebaut sei. Obermann schätzte die Kosten auf etwa 100 Milliarden Euro – eine Summe, die weder der Staat noch einzelne Unternehmen werden stemmen können. Soweit hier noch ein Konsens zwischen Wirtschaft und Politik hergestellt werden konnte, eine Frage blieb am Ende offen: Wie diese Gelder aktiviert werden. Denn eines war nach dieser Veranstaltung klar: Deutschland muss und wird den Breitbandausbau intensivieren!