Im Hintertreffen?

Die DSGVO und die europäische Digitalwirtschaft

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Foto: Elke A. Jung-Wolff

Die EU-Datenschutzgrundverordnung hat in den letzten Wochen viel Beachtung gefunden (und Aufregung verursacht). Aber welche Bedeutung hat die Verordnung langfristig für die europäische Digitalwirtschaft?

Zwei Praktiker und ein Politiker diskutierten dazu mit dem Geschäftsführer der noch relativ jungen Internet Economy Foundation, Clark Parsons. Thomas Jarzombek, MdB, Mitglied im Ausschuss „Digitale Agenda“ hielt ein flammendes Plädoyer für die Bedeutung von Datenschutz und Digitalwirtschaft. Beides müsse zusammengedacht werden, wenn Europa den Anschluss ans Silicon Valley oder auch China und Russland nicht verlieren wollen. Die neue Datenschutzverordnung helfe nicht den kleinen Start-ups in Berlin, sondern den Internetgiganten aus den USA. Die seien auf den 25. Maiganz ganz anders vorbereitet gewesen und können dank enormer Ressourcen auch mit den Folgen besser umgehen.

Wie abgehängt Deutschland und Europa ist, kann man rückblickend an den Auflagen für und bei Studi VZ sehen, die gegen Facebook komplett verloren haben. Gesellschaftliche Teilhabe wollen die jungen Menschen. Und das funktioniert derzeit vor allem über Gratis-Angebote. Ist Gratis-Internet vielleicht auch der erste Schritt in die richtige Richtung?

Dr. Sabrina Zeplin, Direktorin Business Intelligence der Otto Group, berichtete aus ihrem Tagesgeschäft: Daten sind wichtig, um ganz personalisierte Werbung zu machen – diese ist dann so auf den Kunden zugeschnitten, dass er auch viel weniger Werbung bekommt? Datenbasierte Geschäftsmodelle gibt es schon seit den 70ern bis Deutschland von den amerikanischen Tech-Firmen überholt wurde.

Auch das Unternehmen von Dr. Mario Rehse, die United Internet AG mit ihren Web- und Mediendiensten von Gmx.de und Web.de, ist auf die Personalisierung von Werbung und die entsprechenden Einnahmen angewiesen.

Ins Hintertreffen gerät Deutschland möglicherweise auch beim Thema Künstliche Intelligenz. Deutschland sei gut in der Grundlagenforschung, es gebe zahlreiche Forschungsinstitute wie etwa das DFKI, aber der Transfer zu den Start-ups und den Mittelständlern seischwierig. Auch die anstehende E-Privacy Verordnung wird nochmals neue Einschnitte bringen.

Zum Schluss holte Clark Parsons nochmal ein bisschen Licht auf die Bühne und nannte die Chancen für Deutschland und Europa: 5G. Die Wettbewerbsfähigkeit müsse erhalten bleiben und das Datenschutzrecht macht die Sache nicht leichter.