Gut ist nicht gut genug

Der öffentliche Sektor und die digitale Transformation

20181205 UT public 780x366?itok=2rOMKcv4
Foto: Businessfotografie Inga Haar

Der digitale Wandel verändert alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Nur der öffentliche Sektor scheint gegen die Transformation weitgehend immun zu sein – zumindest in Deutschland. Warum das so ist – und wie sich das ändern lässt – war Thema eines Unternehmertreffens.

Die erfreuliche Nachricht vorne weg: Zumindest in einem Punkt rangiert die deutsche Hauptstadt nicht unter ferner liefen. In Sachen elektronische Steuerprüfungen macht Berlin niemand etwas vor, keine andere Stadt in Deutschland lässt so viele Steuererklärungen vollautomatisch prüfen, mit Computerprogrammen. Das war‘s dann aber auch auf der Haben-Seite. Beim VBKI-Unternehmertreffen stellten Lars Zimmermann von der Start-up-Beratung Public und Dr. Sebastian Muschter von der Bertelsmann Stiftung, Berlin und Deutschland in toto ein ziemlich durchwachsenes Zeugnis aus.
 
Tatsächlich liege der hiesige öffentliche Sektor bei der digitalen Transformation weit zurück, sagte Zimmermann. Der Weg zu einem neuen Reisepass sei in Deutschland bekanntermaßen ziemlich verschlungen, das Verfahren langwierig. Dänen und Briten seien da viel schneller, so der Leiter der Berliner Repräsentanz von Public, einem Venture-Builder für Governement Technology-Unternehmen und Lösungen mit Sitz in Berlin, London und Paris.
 
Warum ist das so? Wo liegen die Gründe für diesen Rückstand? Zum einen hätten wir uns in Deutschland mit guten Leistungen zufriedengegeben, für das Prädikat „sehr gut“ fehle es an Ehrgeiz, analysierte Zimmermann. Insgesamt forderten wir zu wenig und seien zu kritisch gegenüber neuen Technologien. Die Verwaltung habe Probleme, entsprechend ausgebildete Mitarbeiter zu rekrutieren. Grund dafür sei aber weniger die mangelnde Zahl von Bewerbungen, sondern die extrem langwierigen Einstellungsverfahren. Bis zu fünf Monaten liegen bisweilen zwischen Bewerbungseingang und dem Versand der Eingangsbestätigung – ein Prozess, der dringend optimiert werden müsse.
 
Dr. Sebastian Muschter regte an, über die Nachfrageseite Druck auf die öffentlichen Verwaltungen aufzubauen. Wer sich mit den bestehenden Lösungen zufriedengebe, dürfe sich nicht wundern, wenn sich nichts ändert. Besser wäre es, die Dinge nicht als gegeben hinzunehmen, sondern staatliche Dienstleistungen immer wieder zu hinterfragen und Optimierungen einzufordern, so der Senior Vice President Transfer & Scale bei der Bertelsmann Stiftung. 
 
Insgesamt sei der öffentliche Sektor in sich sehr geschlossen, es fehlten die Brücken nach außen. Beide Protagonisten plädierten für eine stärkere Öffnung, auch und gerade um den Anschluss an neue, digitale Entwicklungen nicht zu verlieren.
 
Bilder der Veranstaltung finden Sie hier >>