In einem Boot

Das deutsch-französische Tandem in schwierigen Zeiten

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Mit Eisenbahn-Metaphern ist das so eine Sache, das gilt auch für das deutsche Verhältnis zu seinem westlichen Nachbarn. Wohin fährt also der deutsch-französische Zug? Immerhin: Der Begriff „Draisine“ fiel nicht, als Prof. Dr. Henrik Enderlein auf diese Frage antwortete. Aber der Zug sei aktuell weder ein TGV noch ein ICE, so der Präsident der Hertie School of Governance.

Inwieweit das deutsch-französische Tandem aktuell in der Lage ist, die Weichen für ein zunehmend instabiles Europa zu stellen, war Gegenstand eines Forein Policy Lunches. Neben dem Hochschulrektor ließ sich auch die französische Botschafterin in Deutschland, Anne-Marie Descôtes, von VBKI-Geschäftsführer Udo Marin befragen. Auf der Haben-Seite des Duos verbuchte die Diplomatin insbesondere die Verteidigungszusammenarbeit, in diesem Bereich seien in den vergangenen 18 Monaten deutliche Fortschritte erzielt worden.
 
Allerdings sei der grenzüberschreitende Gleichschritt keineswegs ein Selbstläufer. Zwar teilten Deutsche und Franzosen die gleichen Wertvorstellungen. Die Denkweisen im Alltag seien jedoch durchaus unterschiedliche, so die Botschafterin. Der innenpolitische Druck auf Macron – Stichwort Gelbwesten – ist enorm und ein Ergebnis des Umstands, dass Macron langfristig denke, die breite Masse der Franzosen aber vor allem die kurzfristigen Folgen seiner Politik sähen, sagte Prof. Enderlein. „Die Gelbwesten vereinfachen, wo Macron komplex denkt.“
 
Der Hochschulpräsident verteidigte den Macronschen Griff zur Neuverschuldung, um die Lage im Land zu befrieden – auch gegenüber den vielkritisierten Schuldenplänen der italienischen Regierung. Die Situationen seien in einem wichtigen Punkt nicht vergleichbar: „Frankreich hat reformiert, Italien noch nicht.“ Abgesehen davon habe Frankreich vor, nach einem Jahr das 3-Prozent-Ziel wieder einzuhalten, ergänzte Anne-Marie Descôtes.
 
Insgesamt unterstrichen beide die herausragende Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit für die Zukunft Europas. Die großen Herausforderungen könnten nur gemeinsam gelöst werden. Dabei sieht Prof. Enderlein Deutschland in der Pflicht, Macron stärker zur Seite zu stehen: „Wir brauchen ein starkes Frankreich und wir brauchen einen starken Präsidenten Emmanuel Macron.“ Die großen europäischen Projekte müssten mit gemeinsamem Schwung benannt und vertreten werden, denn: „Am Ende sitzen wir in einem Boot.“