Berlin ist nicht Shenzhen

Diskussion zur Zukunft des Verkehrskonzepts für die Hauptstadtregion

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Die Hauptstadtregion wächst. Aber: Wächst das Verkehrsnetz mit? Zumindest gibt es ambitionierte Pläne, die Berlins Verkehrssenatorin und die brandenburgische Infrastrukturministerin beim VBKI vorstellten und diskutierten.

Täglich kommen mehr als 300.000 Brandenburger nach Berlin, rund 180.000 machen sich in umgekehrter Richtung jeden Morgen auf die Reise. Und die Pendlerströme schwellen von Jahr zu Jahr an, das Berliner Bevölkerungswachstum und die steigenden Wohnkosten befeuern diese Entwicklung. Die Folge sind überfüllte Züge und verstopfte Einfallstraßen, gerade in den Hauptverkehrszeiten. Wie lässt sich Abhilfe schaffen? Wie lässt sich das Angebot an die Nachfrage anpassen – und zwar möglichst schnell und unter bestenfalls unter Berücksichtigung der Innovationen von morgen? Darüber diskutierten Berlins Verkehrssenatorin Regine Günther und die brandenburgische Infrastrukturministerin Kathrin Schneider beim VBKI. Die Moderation hatte Reinhold Dellmann, ehemaliger Infrastrukturminister in Brandenburg und Mitglied des Ausschusses Mobilität im VBKI.
 
Unter der Überschrift „i2030“ haben Berlin und Brandenburg im Frühjahr ein Konzept zur gemeinsame Schienenverkehrsplanung vorgelegt – Ergebnis ist auch ein neuer Landesnahverkehrsplan für Brandenburg, eng abgestimmt mit Berlin, der vor wenigen Wochen vorgestellt wurde. Der Tenor: Mehr Züge, dichtere Taktung und der Ausbau des Streckennetzes von derzeit 35 Millionen Schienenkilometern auf 45 Millionen. „Der gemeinsam politische Wille, diesen Plan umzusetzen, ist auf allen Ebenen vorhabenden“, sagte Ministerin Schneider. „Das Tempo ist hoch“, sagte auch Verkehrssenatorin Günther. Für Infrastrukturprojekte dieses Ausmaßes sei eine Perspektive von 10 bis 12 Jahren quasi schon morgen.
 
Das gilt zumindest für Deutschland. In China ticken die Uhren anders. Die Millionenstadt Shenzen, wusste Senatorin Günther zu berichten, hat es innerhalb weniger Jahre geschafft, die gesamte Busflotte (17.000 Fahrzeuge) auf Elektroantrieb umzurüsten. Vorbild für Berlin? Nein, meinten die beiden Protagonistinnen einhellig, „chinesischen Verhältnissen“ wolle man in Deutschland sicherlich nicht. 
 
Aber: Wo soll das Geld zur Finanzierung dieses Mammutprojekts herkommen? Mehr als eine Milliarde Euro dürfte die Umsetzung von „i2030“ am Ende kosten. Nach Auskunft der beiden Ressortchefinnen haben sich Berlin und Brandenburg verpflichtet, die Planungskosten zu übernehmen. Allerdings sei auch der Bund als Geldgeber gefragt. „Das große Ganze wird nicht ohne den Bund gehen“, sagte Schneider. Kurzum: Der Plan steht, an der Umsetzung wird intensiv gearbeitet.