Das größere Übel verhindern

Foreign Policy Lunch zur Lage im Nahen Osten

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Der Nahe Osten kommt nicht zur Ruhe. Beim Foreign Policy Lunch analysiert Diplomat Paul Freiherr von Maltzahn im Gespräch mit dem Journalisten Thomas Nehls die aktuelle Lage.

Die religiösen Konfliktlinien, die terrorisierte Zivilbevölkerung, die Interventionen ausländischer Mächte – historisch interessierte Beobachter mögen sich an den Dreißigjährigen Krieg erinnert fühlen. Auch die Frage, wie um alles in der Welt der Konflikt in Syrien angesichts der Vielzahl von Interessen und Konflikten gelöst werden soll, erinnert an das 17. Jahrhundert.

Mit Unterstützung des erfahrenen Diplomaten Paul Freiherr von Maltzahn, Botschafter a.D., und dem Journalisten Thomas Nehls haben wir beim Foreign Policy Lunch versucht, dieses Knäuel von Konflikten und Interessen zu entwirren. Gleich zu Beginn des Gesprächs stellte sich heraus, dass die Überschrift der Veranstaltung – „Jenseits von Isis“ – trügen dürfte. Zwar sei der IS in Syrien und im Irak weitgehend besiegt, die Führungsstrukturen aber weiterhin intakt. Auch verfügten die Terroristen weiterhin über große finanzielle Mittel. Insofern müsse man laut dem Botschafter a.D. auch künftig mit terroristischen Akten rechnen.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs analysierte der Diplomat auch die Positionen der USA (wollen Israelis und Saudis zusammenbringen) und Russlands (habe 2016 mit iranischer Unterstützung den gordischen Knoten durchtrennt). Die Rolle der europäischen Staaten sah von Maltzahn durchaus kritisch. In Deutschland etwa gäbe es gar keine eigenständige Nahost-Politik und Großbritannien sei derzeit zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um Außenpolitik zu betrieben. Allein dem Frankreich Macrons (habe Unruhen im Libanon verhindert) konnte der Außenpolitiker etwas abgewinnen.

Natürlich stand auch der aktuelle Konflikt an der türkisch-syrischen Grenze auf der Gesprächsagenda. Aus der Sicht von Maltzans spiegelt sich in der türkischen Offensive gegen kurdische Stellungen nordwestlich von Aleppo nicht nur das türkische Sicherheitsbedürfnis, sondern auch der wachsende türkisch-amerikanische Gegensatz. Letztlich dienten die türkischen Stellungen in Syrien auch als Pfand gegen kurdische Autonomiebestrebungen.

Welche Rolle kann die Diplomatie in Syrien spielen? Es gehe immer darum, so der Botschafter, das größere Übel zu verhindern und mit dem kleineren Übel zu leben.

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier >>