Züge aus Pankow

Stadler-CEO Michael Daum beim VBKI-Unternehmertreffen

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Alstom, Bombardier, Siemens – wenn es um den Bau von Bahnen geht, sind diese Namen bekannt. Im Windschatten der Platzhirsche hat ein Berliner Mittelständler eine Nische gefunden, in der es sich gut leben lässt: Stadler baut in Pankow Bahnen für den Überland- und den Nahverkehr. Beim VBKI Unternehmertreffen berichtet CEO Michael Daum über Chancen und Herausforderungen beim Bau von Schienenfahrzeugen.

2,3 Milliarden Umsatz hat die Stadler Gruppe im letzten Jahr gemacht – Schweizer Franken wohlgemerkt, denn die Unternehmensgruppe stammt ursprünglich aus der Schweiz. In den 80er Jahren mit 14 Mitarbeitern gestartet, beschäftigt die Gruppe inzwischen weltweit rund 5.000 Mitarbeiter – unter anderem unseren Gast Michael Daum, Vorsitzender der Geschäftsführung des deutschen Zweigs mit Hauptsitz Pankow.
 
Überland und Nahverkehr

Von Berlin aus bedient der Schienenfahrzeughersteller das gesamte Produktsortiment. Vollbahnen – also Fahrzeuge für den Überlandverkehr – werden in Diesel- und Elektroausführung ebenso hergestellt wie Bahnen für den Bereich „Urban Transport“. Die 1.300 Mitarbeiter an den Standorten Pankow, Hohenschönhausen, Velten und Reinickendorf fertigen Fahrzeuge (Variobahn) beispielsweise für die Nahverkehrsnetze in Bochum, Mainz, Potsdam, London, Bergen und Graz. In Berlin und Umland entstehen aber auch Triebzüge für den Überlandverkehr, beispielsweise die Modelle FLIRT und KISS. Mit Spannung blickt Stadler auf das laufende Ausschreibungsverfahrend der Berliner S-Bahn, an dem sich das Unternehmen zusammen mit Siemens beteiligt.  
 
Verlängerung der Wertschöpfung
 
Chancen für das Unternehmen sieht Daum im weiter wachsenden Markt (plus 3 bis 5 Prozent im Jahr) sowie im Verkauf von After Sales-Dienstleistungen wie Wartung und Instandhaltung. Branchenrisiken liegen nach Ansicht des Managers vor allem in der durch die Finanzkrise erschwerten Kreditvergabe (Avalkredite), im Wettbewerbsdruck und in unterschiedlichen Sicherheitsanforderungen bei indirekten Mitbewerbern wie den Fernbussen. 
Als besonders problematisch empfindet Daum aber den Umstand, dass das Eisenbahnbundesamt zunehmend in laufenden Zulassungsverfahren die Spielregeln ändere. „Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Haus im Rohbau fertiggestellt. Dann kommt die Baubehörde und sagt Ihnen, Sie müssten das Fundament verändern.“ Ein untragbarer Zustand, findet Daum, der zunehmend existenzgefährdend wirke.