Smart City: Berlin verliert den Anschluss

VBKI fordert zielgruppenspezifische Ausrichtung der Aktivitäten

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Foto: Petair - Fotolia

Berlin läuft Gefahr, als Smart City-Standort an Profil zu verlieren. Nach Einschätzung des VBKI-Arbeitskreises Intelligente Infrastruktur macht die Hauptstadtregion zu wenig aus ihren erheblichen Standortvorteilen. Konkurrierende Zentren setzten die entscheidenden Akzente auf der internationalen Smart City-Agenda – trotz häufig ungünstigerer Startbedingungen.

Eine Erklärung liegt nach Ansicht des Arbeitskreises in der Berlin-spezifischen Organisation des Querschnittsthemas. In einem am 17. Dezember 2014 vorgestellten Bericht des AKs heißt es: Statt Projekte an Ziel- und Nutzergruppen auszurichten, bleiben traditionelle Kompetenzfelder wie Energie, Mobilität oder IKT die zentralen Organisations- und Denkkategorien.

 „Wer sich für die Möglichkeiten von Smart City interessiert, schaut immer seltener auf Berlin. Städte wie Wien, Amsterdam oder auch Nizza laufen der deutschen Hauptstadt den Rang ab –indem sie Tag für Tag die Leistungsfähigkeit smarter Lösungen demonstrieren“, sagte Udo Marin, VBKI-Geschäftsführer, bei der Vorstellung des Papiers.

Nach Auffassung des Arbeitskreises kann der Weg zur erfolgreichen Positionierung als Smart City-Metropole mit internationaler Vorbildfunktion nur gemeinsam mit den Berliner Bürgerinnen und Bürgern beschritten werden. Das Problem: Weil sich Aktivitäten und Projekte in Berlin weiterhin an tradierten Kompetenzfeldern orientieren, kann sich „Smart City“ nicht als eigenständiger Topos etablieren.

„Im öffentlichen Diskurs gerinnt das Thema entweder zum abstrakten  Expertentalk oder zur reinen Schlagwort-Debatte“, so Gabor Beyer, Leiter des VBKI-Arbeitskreises Intelligente Infrastruktur. 

Bedingung für einen breiten öffentlichen Konsens sei daher eine stärkere Orientierung an den Wünschen und Bedürfnissen der künftigen Nutzer intelligenter Infrastrukturen. Das VBKI-Gremium schlägt vor, die Smart City-Aktivitäten und Projekte künftig an den Ziel- und Nutzergruppen – beispielsweise Industrie und Gewerbe, Haushalte und Wohnen sowie Verwaltung und öffentliche Einrichtungen – auszurichten. Die Transformation der Stadt Berlin zur Smart City könne nur über Lösungen führen, die ihren Nutzern einen erkennbaren Mehrwert bieten.

Um Smart City näher an die potentiellen Anwender zu bringen, hat das 2012 gegründete VBKI-Gremium in einem längeren Auswahlprozess 32 Berliner Leuchtturmprojekte identifiziert, die neben einem hohen Innovationsgrad auch über ein hohes Maß an Anschaulichkeit verfügen und die Stadt Berlin als Pionier im Bereich Smart City repräsentieren.  Diese Projekte werden in Kürze in die Inframap des VBKI aufgenommen. Zudem plant der Arbeitskreis, im ersten Quartal 2015 im Rahmen einer breit angelegten Befragung die Bedürfnisse der Smart City-Stakeholder in Berlin zu identifizieren.

Der Bericht „Auf dem Weg zur Smart City Berlin: Ziel- und Nutzergruppen im Fokus“ steht hier zum Download bereit.

Mehr Informationen über den Arbeitskreis Intelligente Infrastruktur finden Sie hier.