Leipzig als Aushilfs-BER?

VBKI Arbeitskreis Verkehr am Flughafen Leipzig/Halle

30 Millionen Passagiere an den Berliner Flughäfen
Foto: Fotolia/Robert Wilson

Der Flughafen Leipzig/Halle könnte – etwa beim Charterverkehr – zur Entlastung in Berlin beitragen. VBKI-Verkehrsexperte Dirk Luthe: „Es darf keine Denkverbote mehr geben.“

Der BER wird bei seiner Eröffnung 2017 – oder wahrscheinlich später – nach übereinstimmenden Prognosen vor massiven Kapazitätsproblemen stehen. Auch die Geschäftsführung räumte inzwischen ein, dass der BER bei seiner Eröffnung zusammen mit dem alten Flughafen Schönefeld mit Mühe und Not die heutige Last von 30 Millionen Passagieren tragen können wird. Der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) fordert deshalb die Gesellschafter auf, zusätzlich zum notwendigen Ausbau der eigenen Kapazitäten die Einbeziehung des Flughafens Leipzig/Halle (LEJ) zu prüfen.

Die ursprüngliche Idee eines internationalen Drehkreuzes ist ohnehin längst gescheitert: „Das eigentliche Konzept des BER, nämlich die Abfertigung unter einem Dach zu gewährleisten, ist längst Makulatur. Der Weiterbetrieb von Schönefeld (alt) und der Bau von eigenständigen Ergänzungsbauten am BER haben mit der ursprünglichen Planung nichts mehr zu tun und sind im Vergleich bestenfalls Notlösungen“, sagt Udo Marin, Geschäftsführer des VBKI.

Bei einem Besuch in Leipzig hat sich der Arbeitskreis Verkehr im VBKI vom Vorstand der Mitteldeutschen Flughafen AG, Markus Kopp, den Flughafen Leipzig/Halle zeigen lassen: 150 Kilometer von der Berliner Stadtgrenze entfernt, bietet der Flughafen zwei Start- und Landebahnen. Der LEJ hat eine Kapazität von 4,5 Millionen Passagieren und verfügt über einen Fernbahnhof sowie einen Autobahnanschluss. Mit einer direkten Bahnverbindung wäre der Flughafen in nur 50 Minuten von Berliner Hauptbahnhof aus erreichbar.

Dirk Luthe, Leiter des Arbeitskreises Verkehr: „Wir kommen zu dem Schluss, dass es auch aus volkswirtschaftlicher Sicht zum schwierigen Thema BER keine Denkverbote mehr geben darf. Berlin braucht so schnell wie möglich einen leistungsfähigen BER. Ob die Erweiterung der Infrastruktur in Schönefeld allerdings mit dem prognostizierten Fluggastwachstum Schritt halten kann, ist aufgrund der gemachten Erfahrungen mehr als zweifelhaft.“

Mehrfach hatte der VBKI in der Vergangenheit die Gesellschafter und den Aufsichtsrat der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH aufgefordert, eine verbindliche Erweiterungsplanung für den BER zu beauftragen. Nach konservativen Schätzungen muss der Standort BER in wenigen Jahren eine Kapazität von mindestens 45 Millionen Passagieren vorhalten.