„Aus der Niedrigzinspolitik aussteigen“

Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon zu Gast beim VBKI

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Die gegenwärtige Zinspolitik der EZB stößt beim Sparkassenpräsidenten auf wenig Begeisterung: „Mir hat noch niemand erklärt, worin der Effekt besteht, wenn ein Zins, der bereits nahe Null ist, noch näher an die Null heranrückt“, sagte Georg Fahrenschon auf einer VBKI-Veranstaltung am 29. April. „Die Mitgliedstaaten der EU entschulden sich auf Kosten von Millionen von Sparern.“

Wie wird das Bankengeschäft nach der Finanz- und Eurokrise aussehen? In seiner Antwort auf die übergreifende Frage der Veranstaltung empfahl der ehemalige bayerische Finanzminister und amtierende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, einen genauen Blick auf das Erfolgsmodell Deutschland zu werfen. Die stabile Lage der deutschen Volkswirtschaft sei vor allem drei Faktoren zu verdanken:

  • der funktionierenden kommunalen Selbstverwaltung
  • dem starken Mittelstand
  • und dem dreigliedrigen deutschen Bankensystem

Diesem Dreiklang verdankt Deutschland nach Ansicht des Sparkassenpräsidenten seine stabilen regionalen Kreisläufe, die ihrerseits wiederum für einen großen Teil des Wirtschaftserfolges Deutschlands stehen.

„Schuldenfinanziertes Wachstum war en vogue“

Mit Blick auf die Krise in Europa warnte Fahrenschon davor, die Debatte auf das Zahlungsmittel Euro zu verkürzen. Ein Ausstieg aus der Eurozone hätte massive Auswirkungen auf sämtliche Bereiche des Lebens – Umwelt, Soziales, Bildung. Tatsache sei, dass alle Mitgliedstaaten in den vergangenen Jahren vom „süßen Gift der Verschuldung“ genascht hätten. „Schuldenfinanziertes Wachstum war überall en vogue“, so Fahrenschon. Gleichzeitig seien wichtige Hausaufgaben nicht gemacht worden: Beispielsweise habe man versäumt, der Wirtschafts- und Währungsunion die notwendige politische Union an die Seite zu stellen.

Fahrenschon sprach sich gegen eine einheitliche europäische Einlagensicherung aus und forderte stattdessen nationale Regelungen. „Wir brauchen in Europa auch Brandmauern.“ Die Gewissheit einer gesamteuropäischen Haftungsgemeinschaft würde allenfalls die Risikobereitschaft einzelner Marktteilnehmer erhöhen – und sei deshalb kontraproduktiv.

Mit Blick auf die Zinspolitik der EZB forderte Fahrenschon den Einstieg in den Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik. Der wirtschaftliche Effekt weiterer Zinssenkungen erschließe sich ihm nicht.

Eine Auswahl der Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.

Datum: Di, 30.04.2013 - 14:38 Uhr