Quo vadis, Solarbranche?

Podiumsdiskussion: Die forschungs- und industriepolitischen Weichen richtig stellen

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Auf Einladung von VBKI und BTO Management Consulting AG diskutierten am 5. Juni 2013 Branchenkenner und Entscheider über wesentliche Entwicklungen, Chancen und Risiken der Solarbranche.

In seinem Impulsvortrag stellte Prof. Dr. Eicke R. Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg und Inhaber des Lehrstuhls für Physik / Solarenergie an der Fakultät für Mathematik und Physik und an der Technischen Fakultät der dortigen Albert-Ludwigs-Universität, zu Beginn die Fortschritte und das langfristige Marktpotenzial der solaren Erzeugungstechnologie heraus. So beliefen sich die globalen Installationen bis 2011 auf etwa 70 Gigawatt, allein im Jahre 2012 wurden weltweit weitere 30 Gigawatt installiert. Prof. Dr. Weber schätzte das langfristige globale Marktvolumen für die Photovoltaik bei einem installierten Anteil dieser Technologie am weltweiten Erzeugungsportfolio von 10 Prozent (was wiederum 3 Terawatt entspräche) - auf insgesamt 12.000 Gigawatt bis zum Jahre 2050. Er erwartet daher, dass der globale PV-Markt in naher Zukunft deutlich - um den Faktor zehn - wachsen wird, begleitet von erheblichen Kostenreduzierungen. Die Photovoltaik entwickelt sich damit langfristig zu einer sehr kostengünstigen Art der Stromerzeugung, vergleichbar mit Wasser- und Windkraft, günstiger als fossile Energien und Kernenergie.

Die anschließend durch Robert Schwarz, Partner und Prokurist der BTO Management Consulting AG, eine auf Energiewirtschaft und Infrastrukturen spezialisierte Berliner Beratungsgesellschaft, geleitete Podiumsrunde diskutierte die im Impulsvortrag aufgezeigten Chancen Hintergründe und Handlungsoptionen. Neben Speichersystemen und ganzheitlichen Lösungen für die Integration der Photovoltaik (Demand Side Management- und Demand Response-Systemen) in die bestehenden Infrastrukturen sind vor allem Geschäftsmodelle erfolgreich, die sich auf eine Zeit nach der Förderung durch das EEG (post-Feed-in-Tariff) einstellen. Doch wird der deutsche Markt noch von Bedeutung sein oder sind vielmehr die internationalen Entwicklungen von Relevanz? 

Dr. Axel Müller-Groeling, habilitierter Physiker und Vorstandsvorsitzender der Centrosolar AG - eines der führenden Photovoltaikunternehmen Europas -, stellte in der Diskussion heraus, dass eine wirtschaftliche Modulproduktion in der EU grundsätzlich möglich sei und europäische PV-Unternehmen durchaus sehr wettbewerbsfähig sein können, sofern die industriepolitische Rahmenbedingungen, Stabilität und Planbarkeit sichergestellt und Fehlanreize vermieden werden. Die Branche sei in der Lage, die hohen Qualitätsanforderungen bei sehr schlanken Strukturen zu erfüllen. "Es werden jedoch leider weiterhin unterfinanzierte oder ineffiziente PV-Unternehmen vom Markt verschwinden. Dies wird helfen, die Überkapazitätskrise zu überwinden." Centrosolar sucht hierbei die Chancen in der Innovation und bietet schon heute PV-Systemlösungen für den Eigenverbrauch an.

Dr. Nikolaus Meyer, ehemaliger CEO und Gründer des heute insolventen Berliner Technologie-unternehmens Soltecture GmbH, einem der führenden Hersteller CIS-basierter Dünnschicht-Solarmodule, stellte die marktrelevanten Interventionen in Frage. Dr. Meyer beleuchtete zudem kritisch das zurückhaltende Engagement der großen Energieversorger bei diesen Technologien.

Anna Helene Jasper-Martens, Head of Local City Partnership Program Berlin bei Vattenfall, skizzierte die Aktivitäten von Vattenfall im Geschäftsfeld Photovoltaik. Neben dem Betrieb von kleineren PV-Anlagen verwies sie auf das Engagement der Gesellschaft bei der Erforschung neuer Technologien für Solarmodule. So war Vattenfall an der Soltecture GmbH beteiligt, fokussiert sich aktuell jedoch auf die Erzeugung aus Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse. Hierbei investiert der Konzern vor allem in Technologie und fördert Forschung und Entwicklung. Die Ausschöpfung des Berliner PV-Aufdach-Potenzials stellt die Managerin als große Herausforderung dar. Dies sei vor allem begründet in der Berliner Gebäudestruktur und den Eigentumsverhältnissen: Etwa 80 Prozent der Berliner leben zur Miete. Neue Geschäftsmodelle zur Erschließung des Potenzials für alle Berliner brauchen auch stabile gesetzliche Rahmenbedingungen um erfolgreich zu sein, so Jasper-Martens. 

Dirk Petschick, Gründer und CFO der Milk the Sun GmbH in Berlin, zeigte eindrucksvoll, das neue Marktrollen (Downstream) in der Branche erfolgreich zu besetzen sind. So betreibt das Berliner Start-up seit 2012 einen internationalen Online-Marktplatz für PV-Anlagen. Über die Plattform schafft Milk the Sun für Projektentwickler und Betreiber von Solaranlagen einen liquiden Absatzkanal und für Investoren ein effizientes Akquisitionstool. Gerade die Zweitvermarktung von Photovoltaikanlagen sowie die Suche nach renditesicheren Anlageformen sorgten in den letzten Monaten für wachsendes internationales Angebot und steigende Nachfrage nach PV-Systemen, insbesondere aus Deutschland. Petschick verwies hierbei auf die aus Anlegersicht EEG induzierten stabilen Rahmenbedingungen. 

Insgesamt kam die Diskussionsrunde zu dem Schluss, dass Chancen für die Branche die Risiken überwiegen, wenn forschungs- und industriepolitische Weichen richtig gestellt werden. 

Text: Robert Schwarz, BT Managmeent Consulting AG

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier. 

Die Präsentation von Prof. Eicke R. Weber finden Sie hier.