Provisionen, Portabilität und der Blick ins Portemonnaie

Der VBKI diskutiert über die Zukunft der Altersvorsorge

Altersarmut?itok=hxXu6CSF
Foto: Businessfotografie Inga Haar

Der demografische Wandel, ein großer Niedriglohnsektor und Zinsen, die gen Null gehen – die Altersvorsorge in Deutschland ist vielfach unter Druck. Ist – wie medial häufig kolportiert – die Altersarmut also unvermeidbares Schicksal?

Unter dieser Fragestellung beleuchteten Dr. Herbert Rische, Präsident deutsche Rentenversicherung Bund, und Prof. Dr. Philipp Schade, Geschäftsführer Dr. Schade GmbH, die Zukunft der Altersvorsorge. Nach der Begrüßung durch die Leiterin des Arbeitskreises Finanzen im VBKI, Beatrice Leißering, und der Anmoderation durch Rainald Meyer, Geschäftsführer Funk Vorsorgeberatung, trat zunächst Dr. Rische ans Pult und gab für die rund 50 Gäste eine zunächst überraschende Antwort auf die Ausgangsfrage: Nein, aus seiner Sicht sei Altersarmut in Deutschland kein drängendes Problem – schließlich seien nur drei Prozent der Rentnerinnen und Rentner in der Grundsicherung.

Dr. Rische: „System stabilisiert“

Die Demografie sei beispielsweise in der gesetzlichen Krankenversicherung oder bei der Pflege ein viel größeres Problem, fügte er hinzu. Ein Beispiel: Ende der 80er Jahre finanzierten 4 Arbeitnehmer einen Rentner. Inzwischen betrage dieses Verhältnis 3:1 – bei niedrigeren Beitragssätzen als vor 20 Jahren. Aus Sicht des Rentenversicherungschefs haben die Reformen der vergangenen Jahre das System stabilisiert.

Was nicht heißt, dass es keinen Handlungsbedarf gebe. Altersarmut in Deutschland ist laut Rische in zahlreichen Fällen das Ergebnis von Erwerbsarmut. Anders ausgedrückt: Wer über Jahre prekär beschäftigt war, kann auch nicht fürs Alter vorsorgen. Allerdings: „Die Rentenversicherung ist nicht der Nabel der Welt, alleine kann sie nicht alle Probleme lösen.“

Niedriglohnsektor bedroht Sozialsysteme

Mehr Problemlösungskapazität hat bekanntermaßen der Gesetzgeber. Der künftigen Bundesregierung schreibt Dr. Rische beispielsweise ins Aufgabenheft, die prekär Selbständigen stärker in den Blick zu nehmen – „wir sollten uns über eine Pflichtversicherung Gedanken machen“. Auch die Regelungen für Erwerbsunfähige und Langzeitarbeitslose müssten überprüft werden. Mit Blick auf den Niedriglohnsektor appellierte er an die Tarifparteien, bei der Lohnfindung auch an die Rente zu denken. „Wenn sich das weiter ausdehnt, können wir die an den Lohn gekoppelten Sozialsysteme in die Tonne kloppen“, so Rische wörtlich. Zudem plädierte er für eine freiwillige Versicherungsmöglichkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung.

Prof. Schade: „Vorsorge heißt sparen“

Prof. Schade stellte die betriebliche Altersvorsorge in den Mittelpunkt seines Eingangsstatement. Seine These: „Altersvorsorge hat nichts mit Versicherung zu tun, Vorsorge heißt sparen.“ Er könne keine Empfehlung für eine private Lebensversicherung aussprechen, weil das Risiko der Langlebigkeit in diesem Produkt zu konservativ eingepreist sei – zum Nachteil der Mehrheit der Leistungsbezieher. Stattdessen plädierte der Professor für bankenbegleitendes Sparen – dieser Weg könne allerdings so lange nicht eingeschlagen werden, wie die Banken der verlängerte Arm der Versicherer blieben.
Umlageprinzip für die betriebliche Altersvorsorge

Darüber hinaus plädierte Schade dafür, die betriebliche Altersvorsorge zu stärken, beispielsweise durch die Einführung eines Umlageverfahrens in Unternehmen. Das Problem der Portabilität – also der Mitnahme von Rentenansprüchen von einem Arbeitgeber zum nächsten – will Schade durch den Verbleib der Guthaben bei den jeweiligen Unternehmen lösen. „Dem Bezieher ist es doch egal, ob sein Geld aus einer oder mehreren Quellen stammt.“ Auf die Ausgangsfrage der Veranstaltung antwortete der Professor sybillinisch:  „Ja, die Rente ist sicher – fragt sich nur, in welcher Höhe…“

Weitere Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.