Nachgebohrt

Schiefergas: Lösung oder Sackgasse für den deutschen Energiemix?

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Das Wort „Fracking“ hat keinen guten Klang. Höchste Zeit, die Fakten von den Emotionen zu lösen. Eine Informationsveranstaltung des Arbeitskreises Wirtschaft & Ethik im VBKI bemühte sich um Aufklärung.

Kaum eine Technologie wird aktuell so kontrovers diskutiert wie das Fracking. Um ein wenig Licht ins Nebulöse der aktuellen Diskussion zu bringen, hatte der Arbeitskreis Wirtschaft und Ethik zu einem Informationsabend geladen. Ziel der Veranstaltung: Die Diskussion zu versachlichen und die Fakten herauszuarbeiten. Dr. Wolfgang Petri, als Leiter des Arbeitskreises Gastgeber des Abends, sagte in seiner Einleitung: „Richtiges ethisches Handeln kann nur auf richtigen Informationen beruhen, deswegen möchte der Arbeitskreis Wirtschaft und Ethik das Handwerkszeug für so weit wie möglich neutrale Informationen zu dem Thema schaffen. Die Wertung muss jeder für sich finden.“

Im anschließenden Vortrag berichtete Christoph Senz von den Erfahrungen, die in den vergangenen 10 Jahren in den USA rund um das Thema Schiefergasförderung gesammelt wurden. Auf diese Weise ermöglichte der Vorsitzende des Hamburger Post Fossil Instituts dem Publikum einen tiefergehenden Einblick in Technik und Wirtschaftlichkeit dieser Methode zur Förderung von Gas- und Ölvorkommen, die in Gesteinsschichten gebunden sind. Potenzielle Risiken für Mensch und Umwelt sieht der Diplom-Geologe weniger in der Tiefe als an der Oberfläche. Eine Reihe von Fragen seien immer noch ungeklärt, beispielsweise: 

  • Was passiert mit den Chemikalien im Wasser, die für ein effizientes Fracking in die Erde gepresst und wieder hinaufbefördert werden?
  • Wie geht man mit radioaktivem Material um, das aus den Tiefen auch mit hinaufbefördert werden kann?
  • Wer renaturiert die Fracking-Spots (mindestens 1 Hektar pro Bohrung)?
  • Wie geht man mit Grundwasserverschmutzungen um?

Neben dem Umweltrisiko besteht auch ein wirtschaftliches Risiko, das nicht zu unterschätzen ist: Denn anders als bei der konventionellen Öl- und Gasförderung benötigt man beim Fracking mehr Tiefenbohrungen, deren Ergebnis (Menge an Gas) nicht vorhersehbar ist. Angesichts des aktuellen Gaspreises sind diese Bohrungen in den USA häufig nicht mehr wirtschaftlich. In Deutschland kommt hinzu, dass die vermuteten Gasvorkommen doch sehr begrenzt ist. 

Fazit: Solange der technische Fortschritt die ungeklärten Fragen nicht beantworten kann, ist kaum zu erwarten, dass von der Fracking-Methode in Deutschland wesentliche Impulse zur Lösung der Energiefrage ausgehen.

Weitere Bilder der Veranstaltung finden Sie hier.

Mehr zum Thema: Ein Pro & Contra in der diesjährigen Januar Ausgabe des VBKI Spiegel.