Aufbruch in die Moderne?

Saudi-Arabien auf Reformkurs – Lunch mit Botschafter Dieter W. Haller

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Der Ölreichtum, die Wüste, 1000 und eine Nacht – das Land weckt viele Assoziationen. Was in Saudi-Arabien aber die aktuelle wirtschaftliche und gesellschaftliche Agenda bestimmt, erfuhren 60 VBKI Mitglieder beim Foreign Policy Lunch von einem ausgewiesenen Kenner des Landes: dem deutschen Botschafter in Riad, Dieter W. Haller.

Die im April veröffentlichte „Vision 2030“ des Kronprinzen Mohammed bin Salman haben in den Augen Hallers das Zeug zu einer echten sozial-kulturellen Revolution. Insbesondere die jüngeren Generationen stehen im Mittelpunkt des Maßnahmenbündels: 50 Prozent aller Saudis sind unter 30. Die Marschroute lautet: Mehr Partizipation, mehr Moderne, mehr Frauenrechte. Jüngste Maßnahme: Seit wenigen Tagen ist es saudischen Frauen erlaubt, selber Auto zu fahren – bis vor kurzem noch undenkbar.
 
Trotz schwindender Öleinnahmen wird der Rohstoff auch künftig Wirtschaftsfaktor Nummer 1 bleiben, aber der Aufbau einer mittelständischen Industrie ist angestrebt, wenn auch nicht einfach umzusetzen. Themen wie Energieeffizienz oder integrierte Mobilitätslösungen sind zwar bis auf weiteres Nischenthemen, böten der deutschen Industrie aber Chancen, in den Markt zu kommen.
 
Auch der Tourismus trägt nicht unerheblich zum saudischen BIP bei, allerdings Stand heute vor allem befeuert durch Wallfahrten. Den nicht-religiösen Tourismus möchte man stärken.
 
Aber der Reformkurs des saudischen Kronprinzen ist nicht ohne Risiken: Wie werden die Verlierer des Wandels reagieren? Werden die Erwartungen der jungen Generation auch ausreichend schnell erfüllt? Wir bleiben dran!