„Teilzeit bringt viele Nachteile“

Siemens-Vorstand Janina Kugel beim Q&A-Lunch

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Fünfter Q&A-Lunch, diesmal mit Siemens-Vorstand Janina Vogel. Vor 30 Unternehmerinnen und Top-Managerinnen berichtete die Impulsgeberin von ihren Erfahrungen als weibliche Führungskraft in einem Weltkonzern.

Schnell entwickelte sich ein offenes – wie immer von VBKI-Vizepräsidentin und BVG-Chefin Dr. Sigrid Nikutta moderiertes – Gespräch, bei dem es nicht nur um die Frage nach den Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung speziell für Frauen ging, sondern auch um die Bedeutung von „Diversity“. Letzteres sei keineswegs ein reines Frauen-Thema, sagte Kugel. Ohne Vielfalt funktioniere der digitale Wandel nicht. Führungskräfte sollten ihre Teams bewusst „divers“ zusammenstellen, damit die Transformation zur Zukunft der Arbeit von allen gleichermaßen gestaltet werden kann. Sie selbst habe durchaus eine Vorbildfunktion bei Siemens, meinte Kugel.
 
Besonderes lebhafte Diskussionsbeiträge löste auch der „Gender-Pay-Gap“ aus.  Schnell wurde deutlich, wie unterschiedlich Frauen und Männer in ihrem Auftreten sind, nicht zuletzt bei Gehaltsverhandlungen. Dem Thema Teilzeitarbeit steht Frau Kugel sehr zurückhaltend gegenüber: „Ich bin gegen Teilzeit, weil damit immer Nachteile in Bezug auf Aufstiegschancen, Gehalt usw. einhergehen.“ Stattdessen befürwortet die Mutter von Zwillingen flexible Arbeitszeiten. Und betont, dass sie darauf achte, Mitarbeiter in Elternzeit nicht bei den Beförderungsrunden zu übergehen. Auch Dr. Nikutta riet in der Diskussion massiv von Teilzeit ab, sie sieht darin „eine Form der Selbstausbeutung“.
 
Laut Janina Kugel kommen Frauen auch weniger gut mit Neid und Konkurrenzgehabe zurecht als ihre männlichen Kollegen. Gerade in Führungspositionen seien oft Entscheidungen zu treffen, die nicht allen gefallen. Aber: „Respekt im Job ist mir am Wichtigsten. Man kann nicht von allen geliebt werden – genau das müssen wir Frauen aber erstmal lernen.“ Im Gegensatz dazu hätten Männer „mehr Spaß im Kampf“.
 
Wichtig seien Netzwerke, weil man sich auf diese Weise gegenseitig einen Gefallen tun und sich unterstützen könne – sprich: eine Hand wäscht die andere.
 
Abschließend kam das Gespräch nochmal zurück auf die digitale Arbeitswelt. Der technologische Fortschritt sei zwar eine große Hilfe bei der Flexibilisierung der Arbeit. Ob Frauen durch den digitalen Wandel eher in Führungspositionen gelangen – dahinter machte sie ein großes Fragezeichen. Möglicherweise sei sogar das Gegenteil der Fall: Durch das Fortschreiten der Digitalisierung entstünden mehr „Back-up Jobs“ mit halbstandardisierten Prozessen. Gerade diese Jobs würden häufiger von Frauen übernommen, so Kugel. Umso wichtiger seien Fortbildungen, auch und besonders neben der Arbeitszeit.