„Der Sonntagnachmittag gehört dem Amateurfußball“

DFB-Präsident Reinhard Grindel beim VBKI

20181127 SportPolitikBerlin 780x366?itok=FSyEqlj7
Foto: Kurzeder

Beim VBKI machte sich DFB-Präsident Reinhard Grindel für den Amateurfußball stark - und sprach sich sich klar gegen die Austragung weiterer Erstligaspiele an Sonntagnachmittagen aus. Die in der Diskussion stehenden Montagabendspiele der ersten Fußballbundesliga sollten nicht in Konkurrenz zu den Amateuren stattfinden.

„Der Sonntagnachmittag gehört den Amateuren“, sagte Grindel bei vierten Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Sport.Politik.Berlin. – Impulse aus der Hauptstadt“, die der VBKI gemeinsam mit dem der Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg (VdSBB) organisiert.

Thema der Diskussionsrunde, an der neben dem DFB-Präsident auch FAZ-Sportchef Anno Hecker teilnahm, war die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs. Nach der Begrüßung durch VBKI-Präsidiumsmitglied Kaweh Niroomand und den Präsidenten des Verbandes Deutscher Sportjournalisten, Erich Laser, sagte Grindel vor rund 150 Gäste aus Sport, Politik, Wirtschaft und Medien: „Der Fußball ist das letzte Lagerfeuer, um das sich alle Teile der Bevölkerung versammeln. Er kann gesellschaftliche Probleme nicht im Alleingang lösen, aber er kann in seinem Verantwortungsbereich zu einer Lösung beitragen.“

Grindel hob insbesondere den Beitrag des Sports zur Integration hervor: „Die Integrationskraft des Fußballs hat für unser Land eine große Bedeutung. Mittlerweile sind 80.000 Flüchtlinge in unseren Vereinen angekommen. Und wir zeigen jedem, der andere wegen ihrer Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung diskriminiert, die Rote Karte.“
 
In der von TV-Moderatorin Gaby Papenburg geleiteten Diskussionsrunde gingen Reinhard Grindel und FAZ-Sportchef Anno Hecker der Frage nach, wie es dem Fußball gelingen kann, seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Zwischen den Gesprächspartnern entwickelte sich – auch vor dem Hintergrund der Negativ-Schlagzeilen, die der Fußball abseits des Spielfelds zuletzt geschrieben hat – ein unterhaltsamer und kontrovers geführter Meinungsaustausch.

Anders als sein Gesprächspartner Anno Hecker – „der Profibetrieb ist ein reiner Showzirkus“ – verwies Grindel auf die seiner Ansicht nach engen Verflechtungen zwischen Profi- und Amateurfußball. Basis und Spitze seien zuletzt weiter zusammengerückt. Grindel sagte, dass zum Beispiel Amateurclubs, deren Spieler später einen Lizenzvertrag in einem Profiverein unterschreiben, eine Ausbildungshonorierung von 4.000 Euro pro  Mitgliedsjahr erhalten. Dadurch sei eine zunehmende Verzahnung von Profi- und Amateurbereich erreicht worden.

Hecker wiederum kann im Profisport keinen Spiegel der Gesellschaft erkennen – genauso wenig wie eine Vorbildfunktion der Profis. „Das Verhalten der Profis auf den Rasen missfällt mir“, sagte er. Grindel verwies darauf, dass Trainer und Schiedsrichter in Lehrgängen für einen respektvollen Umgang miteinander sensibilisiert würden.

Die Veranstaltung wurde unterstützt von der AOK Nordost, dem exklusiven Gesundheitspartner des VdSBB, und der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

Bilder der Veranstaltung finden Sie hier >>