Über Treiber und Getriebene

Über Journalismus und Medien, Politik und Volksparteien

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Foto: Businessfotografie Inga Haar

Der eine ist Bestseller-Autor und einer der gefragtesten deutschen Korrespondenten, der andere war Finanzsenator Berlins und CDU-Spitzenkandidat. Wenn aber Robin Alexander und Peter Kurth aufeinanderstoßen, weiß man lange nicht, wer hier der Politiker und wer der Journalist ist. Rhetorische Brillanz, analytische Schärfe und politisches Tiefenverständnis ist beiden eigen.

Als Tour d’Horizon war die Veranstaltung angekündigt worden, als ein Gespräch über „Deutsche Politik, ihre Herausforderungen und ihre Antworten“. Ein Versprechen, das von den beiden Protagonisten glänzend eingelöst wurde. Mit seinem Bestseller „Die Getriebenen“ über die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel legte Robin Alexander einen Report aus dem Innern der Macht vor, der weder die Kanzlerin noch ihre Kritiker schonte. Ob Peter Kurth mit Merkel wegen derer Flüchtlingspolitik haderte, war nicht offensichtlich, dass er mit ihr haderte aber überdeutlich. Kurth, ein politischer Mensch aus Leidenschaft und mit großem Gestaltungswillen, tat sich sichtbar schwer mit der inhaltlichen Ambitionslosigkeit seiner Partei, namentlich, was die Industrie-, Energie-, Wirtschafts- und Innovationspolitik angeht. Mit seiner Aussage, die politische Schwäche sei in der Mitte, meinte er auch und vor allem die Union. Wie es die CDU denn besser machen könne, auf diese Frage aber wollte Robin Alexander nicht antworten. Er wolle erzählen, was ist, nicht erziehen – und schon gar nicht als Berater auftreten.

Dass die Zukunft der CDU nach Angela Merkel und unter Annegret Kramp-Karrenbauer einen breiten Raum einnahm, war angesichts eines Chefreporters, der für die Tageszeitung „Die Welt“ die Themen Union und Bundeskanzleramt bearbeitet, und eines CDU-Politikers offensichtlich. Es entspann sich daran aber die generelle Debatte, ob die Volksparteien noch eine Zukunft haben. In einem konnte Alexander seinen Fragesteller trösten: Um die CDU mag es schwierig stehen, im Vergleich aber zu SPD ginge es ihr blendend. Dass die AfD beiden Parteien zusetzt, wurde in der Diskussion ebenso deutlich, wie die Skepsis, ob die Strategie der Union gegenüber der neuen Partei am rechten Rand erfolgreich sein wird. Über eines mussten beide den Kopf schütteln – sei es aus Erstaunen, Resignation oder Empörung – nämlich darüber, dass es den Grünen aktuell gelinge, selbst aus eigenen Fehlern noch zu profitieren.

Da Robin Alexander nicht nur den langen Atem beherrscht, ein Buch zu schreiben, sondern auch ein ausgezeichneter Journalist der kurzen Formen ist, diskutierten er und Kurth auch über Social Media. Alexander, „Goldener Blogger 2018“ mit dem Besten Twitter-Account des Jahres, sagte voraus, dass die Bedeutung von Social Media weiter zunehmen werde. Natürlich erhöhe Social Media die Schnelligkeit der Medien, aber auch zukünftig gelte für den Journalismus „Handwerk, Handwerk, Handwerk“. Eine gute journalistische Ausbildung ersetze laut Alexander noch jede Ethik-Debatte.

Diese Tour d’Horizon war ein intellektueller Leckerbissen, bei dem sich Peter Kurth und Robin Alexander forderten und herausforderten. Und die anwesenden Gäste? Die fühlten sich prächtig unterhalten und intellektuell bereichert.