Den Digitalen Wandel gestalten, nicht erleiden

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beim VBKI

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Foto: VBKI

Demografischer Wandel, medizinischer Fortschritt, Ärztemangel auf dem Land – das Gesundheitssystem in Deutschland steht vor zahlreichen Herausforderungen. Beim VBKI erläuterte der Bundesgesundheitsminister, wie er diese Fragen lösen will – auch und vor allem mithilfe der Digitalisierung.

 
Der Bundesgesundheitsminister steht derzeit im Rampenlicht. Beim VBKI stand allerdings nicht die Ausbreitung des Coronavirus im Mittelpunkt, sondern die Anstrengungen der Bundesregierung, die Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu nutzen. Digitale Patientenakten, E-Rezepte oder ein nationales Gesundheitsportal – die Liste der digitalen Reformprojekte ist lang. Grundbedingung für eine erfolgreiche Umsetzung, so Jens Spahn nach der Begrüßung durch VBKI-Präsidiumsmitglied Dr. Andrea Grebe, sei allerdings das Vertrauen der Bevölkerung in die Entscheidungs- und Gestaltungskraft der Bundesregierung – und den Staat im Allgemeinen. Leider sei von diesem Grundvertrauen in den vergangenen Jahren viel verlorengegangen, sagte er vor 150 VBKI-Mitgliedern im Steigenberger am Los-Angeles-Platz.
 
 
Mit strafferen Strukturen, verbindlichen Zeitvorgaben und zügigeren Entscheidungsprozessen möchte der Bundesgesundheitsminister dieses Vertrauen zurückgewinnen. Das sei auch die Grundbedingung, um das größte Digitalisierungsprojekt der Bundesregierung – nämlich die digitale Transformation des Gesundheitswesens – erfolgreich in die Tat umsetzen zu können. Wichtiger Aspekt, gerade in einem so sensiblen Bereich wie der Gesundheit, ist die Sicherheit und der Schutz der persönlichen Patientendaten. Spahn zufolge lässt sich diese Frage am besten in einem übergeordneten Maßstab lösen, idealerweise im Rahmen eines EU-weiten Gesetzesvorhabens und „fernab des Überwachungskapitalismus wie beispielsweise in den USA“, sagte Spahn. Als beispielhaft für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie im Bereich Gesundheit führte er den Erfolg in Estland an. Dort seien schon seit rund zehn Jahren alle Gesundheitsdienste digitalisiert, auch der Zugang zu Patientendaten.
 
Auch beim Thema Pflegedienst plädierte der Minister dafür, die Chancen des digitalen Wandels zu ergreifen. „Wir sollten den digitalen Wandel gestalten und nicht erleiden“, so der gebürtige Westfale. Insofern enthalte jedes Gesetz aus dem Bundesgesundheitsministerium digitale Aspekte um die Zukunft der Weiterentwicklung im Pflegeberuf zu sichern und zu stärken. „Wir müssen den Beruf attraktiver machen, damit sich mehr Menschen dafür entscheiden“, so Spahn. Höherer Verdienst von Altenpflegern, verbesserte Arbeitsbedingungen von Pflegekräften und Mobilisierung von mehr Personal zur Aufwertung des Berufes, um nur einige Eckdaten dieses Konzepts zu nennen. Während der anschließenden Fragerunde spielte natürlich auch die Ausbreitung des Corona-Virus eine Rolle. Eine Besucherin zeigte sich besorgt angesichts der Ratlosigkeit, mit der die Welt der Epidemie begegne. Spahn versicherte, Deutschland sei gut vorbereitet und warnte vor übertriebener Sorge.