Das Rennen ist eröffnet

Iran 2015: Pole-Position für die deutsche Wirtschaft

Podiumsdiskussion zum Iran
Foto: Businessfotografie Inga Haar

Der Titel „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ ist bereits auf Dauer vergeben. Wäre dem nicht so, hätte ein Land viel Potenzial, den USA diesen Titel streitig zu machen: der Iran. Zu dieser Schlussfolgerung veranlasste mit einem hohen Grad an Zwangsläufigkeit ein Diskussionsabend im VBKI.

Unter der Überschrift „Zurück auf der Weltbühne – der Iran und die deutsche Wirtschaft“ lotete ein von Kaweh Niroomand, Manager der Berlin Recycling Volleys mit iranischen Wurzeln, moderiertes Panel die wirtschaftlichen Möglichkeiten im Iran nach der Einigung im Atomstreit aus. Einhellig und geradezu euphorisch bewertete das Podium die geschäftlichen Perspektiven. Denn der Nachholbedarf ist enorm, nach Jahrzehnten der Isolation hat sich im Land ein milliardenschwerer Investitionsstau aufgebaut. Spätestens mit dem sogenannten Implementation Day – der für Ende des ersten Quartals 2016 erwartete Tag, an dem das Wiener Nuklearabkommen in Kraft tritt –, dürfte der Run endgültig losbrechen. „Man braucht Mut, aber wenn man jetzt nicht aktiv wird, kann man den Zug auch verpassen“, sagte Mossadegh Hamid. Der gebürtige Iraner war 1970 nach Deutschland gekommen und ist als Unternehmer sowohl hier als auch in seinem Geburtsland aktiv.
 
Im Wettstreit mit anderen Exportnationen wie China, die Vereinigten Arabischen Emirate oder die Türkei verfügt Deutschland – auch darin waren sich die Diskutanten einig – über eine hervorragende Ausgangsposition. Als Grund für diese Pole-Position nannte Dr. Bernd Erbel die traditionell engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern. Deutsche Unternehmen und deren Produkte genießen dem Ex-Botschafter in Teheran zufolge einen großen Vertrauensvorschuss. Gleiches gelte auch umgekehrt. Lieber mit einem Iraner als mit 100 Amerikanern Geschäfte machen, paraphrasierte Herr Hamid Martin Herrenknecht, den Gründer und Chef des gleichnamigen Unternehmens für Tunnelvortriebstechnik. In den USA bestehe immer die Gefahr, millionenschwer verklagt zu werden. Im Iran hingegen ließen sich alle Probleme bei einem Glas Tee aus der Welt schaffen.

Nachholbedarf hat die iranische Wirtschaft in allen Bereichen seiner Wirtschaft: Petrochemie, Anlagenbau,  Automobilbau samt Zuliefererindustrie – gerade in den deutschen Schlüsselbranchen sucht der Iran nach kompetenten Partnern. Das gilt auch für den Tourismus: „Im Iran gibt es pro Kopf weltweit die wenigsten Hotelzimmer“, sagte Roland Berger-Berater Stefan Haid.

Allerdings sollte die berechtigte „Goldgräberstimmung“ (Niroomand) nicht dazu verleiten, sich blauäugig ins Abenteuer Iran zu stürzen. Zwischen der Rechtslage und der Wirklichkeit beispielsweise gebe es keine Verbindung, sagte Hamid – und warnte vor Korruption. Die größte Unbekannte ist aber die Entwicklung der politischen Lage – sowohl im Innern des Landes als auch in der Region. 

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