Das Herz, ein Schlüsselorgan

Die Berliner Code University – und was sie von anderen Tech-Schmieden unterscheidet

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Foto: VBKI

Es gibt Menschen, deren Herz beim Anblick eines Sportwagens einen Hüpfer macht. Wenn just in diesem Augenblick auch die Tür des schnittigen Racers aufspringt, hatten möglicherweise Studierenden der CODE Berlin ihre Hände und vor allem ihre Köpfe mit im Spiel.

Die jungen Tech-Experten haben im Rahmen eines universitären Projekts ein digitales Türöffnungsszenario auf Basis, nein, nicht der Gesichtserkennung oder des Fingerabdrucks entwickelt. Sondern auf Grundlage des persönlichen EKGs – denn das ist schließlich ebenso individuell wie das Linienmuster auf den Fingerkuppen.
 
Die enge Verbindung von Theorie und Praxis ist einer der USPs des jüngsten Sprosses der vielfältigen Berliner Hochschullandschaft. 2017 gegründet hat sich die private Fachhochschule zur Aufgabe gemacht, mittels einer neuen Art des Lernens die Programmierer, Entwickler und IT-Designer von morgen hervorzubringen. Mit Erfolg, wie uns Manuel Dolderer, Präsident der Code University, beim gemeinsamen Zoom-Meeting berichtete. Knapp vier Jahre nach ihrer Gründung sind 512 Studentinnen und Studenten aus 70 Ländern an der CODE für einen von derzeit drei angebotenen Bachelor-Studiengängen eingeschrieben.

Leitgedanke der CODE: Die Studierenden fit zu machen für eine Welt, in der digitale Technologien omnipräsent sind. Dabei liegt der Fokus nicht nur auf der Vermittlung der technologischen Fertigkeiten. Ein wichtiger Teil der Ausbildung behandelt ethische Fragen aus dem Spannungsfeld zwischen Technologie und Gesellschaft. „Wir wollen unseren Studierenden neben dem Gefühl von Selbstwirksamkeit auch kritische Urteilskraft mit auf den Weg geben“, erläuterte Manuel Dolderer. Nicht alles, was möglich ist, sollte auch möglich sein.
 
VBKI-Vizepräsident Christian Kloevekorn moderierte die Runde, in der neben Manuel Dolderer und unserem Präsidiumsmitglied Verena Pausder – sie hatte das Treffen initiiert – auch ein Studierender der CODE auf dem virtuellen Podium saß. Johann Hemmann, im dritten Jahr (6. Semester) an der CODE, fasziniert neben dem internationalen Flair der Campus-Uni in Alt-Treptow der praxisbezogene Ansatz der Code, der schon im mehrstufigen Aufnahme-Assessment eine wichtige Rolle spielt. „Es geht weniger um Noten, sondern um Persönlichkeiten – und wie sie im Team gemeinsam zu Lösungen kommen.“

Die Welt verändert sich rasant, 75 Prozent der heutigen Grundschüler werden laut Studien wohl in Jobs arbeiten, die wir heute noch gar nicht kennen. Gerade vor dem Hintergrund dieses Umstands besticht die Herangehensweise der Code, findet Verena Pausder. „In der klassischen Hochschule werden Weg und Ziel häufig vorgegeben.“ Mit der Folge, dass Uni-Absolventen oft Schwierigkeiten haben, sich zu Beginn auf dem Arbeitsmarkt zurechtzufinden – der Graben zwischen Theorie und Praxis ist oft tief und weit. Der Gedanke der CODE – weg vom Hörsaal, hin zu projektbasiertem, anwendungsbezogenem Studieren – erleichtere den Sprung in die Arbeitswelt ungemein.
 
Als private Hochschule ist die CODE von Studiengebühren abhängig. Allerdings war es dem Gründerteam ein wichtiges Anliegen, allen talentierten Bewerbern auch einen Studienplatz anbieten zu können – und zwar unabhängig von der Frage, wie begütert das jeweilige Elternhaus ist. Den Weg dorthin bahnt ein intelligentes Scholarship-System. Bei Bedarf geht die Hochschule in Vorleistung, die Gebühren können nach Eintritt ins Berufsleben zurückgezahlt werden. Allerdings nicht in toto – und das ist der große Unterschied – sondern als Anteil vom dann erzielten Einkommen. Anders ausgedrückt: Wer nichts oder wenig verdient, muss auch nichts oder wenig erstatten. Wer dagegen ein respektables Einkommen erzielt, zahlt einen höheren Betrag.

Dieses Stipendienangebot mag neben der Qualität der Ausbildung, dem „Magneten Berlin“ und der weiterhin großen internationalen Strahlkraft Deutschlands als Innovationsland ein wichtiger Grund für den guten Ruf sein, den sich die Hochschule in kürzester Zeit im In- und vor allem auch im Ausland aufgebaut hat, sagt Verena Pausder. Jetzt gehe es darum, Rollenklischees aufzulösen und mehr Mädchen und junge Frauen frühzeitig an Tech-Themen heranzuführen – idealweise werden auf die eine oder andere Weise Herzensangelegenheiten daraus, möglicherweise auch an der CODE.